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Kriegserinnerungen eines toskanischen Bauern in der italienischen Luftwaffe (1941 – 1947)

Autor : 
Natale AGOSTINI
Interview Urbano Cipriani
Aufzeichnung von Viviana Agostini-Ouafi
Text vorgestellt und annotiert von Viviana Agostini-Ouafi
Übersetzung Ingolf Osthaus und Helga Lux

Vorwort

Das Interview von Natale Agostini wurde am Montag, den 10. Oktober 2005 in Avena bei Poppi im Casentinotal (in der Provinz von Arezzo) von Urbano Cipriani auf Video aufgenommen. Viviana Agostini-Ouafi hat das Interview sowohl in toskanischer Mundart transkribiert als auch auch in regional gesprochenes Italienisch übertragen sowie den Titel hinzugefügt. Die Unterteilung des Berichts in einen ersten und zweiten Teil stammt bereits aus der Videoaufzeichnung. Die Transkription wurde in Kapitel untergliedert, um das Lesen der Erzählung in chronologischer wie thematischer Hinsicht zu erleichtern. Die Unterkapitel markieren die verschiedenen Situationen, Orte und Zeitabschnitte in der Erzählung Natale Agostinis , die insgesamt eine Stunde und vierzig Minuten dauerte und vom Fragesteller kaum unterbrochenen wurde. Die Bemerkungen des Interviewers Urbano Cipriani, meist zustimmender Art, sind immer kursiv gesetzt. Die begleitenden Gesten des Erzählers sind in der Transkription kursiv in Klammer beschrieben, um sonst lückenhaft erscheinende Stellen zu ergänzen. Die Fußnoten liefern Zusatzinformationen verschiedener Art. So weisen sie zum Beispiel auf mehr oder weniger ungenaue Zeitangaben bei weit zurückliegenden historischen Ereignissen hin, die sich bei einer rein mündlichen Erzählung nicht vermeiden lassen.

Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass es von diesem Erzählinterview eine Originalversion im Dialekt der nordöstlichen Toskana gibt. 1 Die toskanische Begleitversion zum Video findet sich auf der Website im Bereich Audioaufzeichnungen von Zeitzeugenberichten. Die Transkription versucht die phonisch-rhythmischen, lexikalischen und syntaktischen Aspekte der vom Erzähler gesprochenen Sprache möglichst originalgetreu wiederzugeben. Die erfolgte Übertragung in regional gesprochenes Italienisch soll einerseits zum leichteren Verständnis des Interviews (sowohl des Videos als auch der Originaltranskription) und andererseits zur besseren Lesbarkeit der Übersetzungen beitragen. Übersetzungen wurden in mehreren Sprachen angefertigt: auf französisch zuallererst wegen der besonderen kulturellen Beziehungen, die die Toskana und die Normandie verbinden aber auch auf kroatisch, auf deutsch und auf englisch, also den Sprachen der Zivilbevölkerung und der militärischen Truppen, mit denen der Zeitzeuge auf seiner Kriegsodysse durch Europa in Berührung gekommen ist.

Natale Agostini wurde am 24. April 1923 geboren. Er ist am 2. November 2005 an den Folgen eines Verkehrsunfalls im Alter von 82 Jahren gestorben. Dieses einzige Interview mit ihm, das von Urbano Cipriani nur wenige Tage vor seinem Tod aufgezeichnet wurde, verleihen der Stimme und der Stimmmelodie dieses gewandten Erzählers mündlich wie schriftlich eine bleibende Form, lassen seine Erinnerungen, ein außerordentliches und exemplarisches Zeugnis über Krieg und Brüderlichkeit, weiterleben und erhalten eine Sprachprobe der toskanischen Mundart, die kein einziges seiner Kinder, die alle nach dem Zweiten Weltkrieg geboren und in die Schule gegangen sind, in so reiner und lebendiger Form den nachfolgenden Generationen zu übermitteln vermag.

ERSTER TEIL

Tauglichkeitsuntersuchung und Einberufung zum Militärdienst 2 Anfang Februar 1941. Im Laufe des Interviews nennt der Zeitzeuge wiederholt den 8. Februar als den Tag, an dem er zur Luftwaffe einberufen wurde und mit dem Besuch der Militärschule begann.

Natale AGOSTINI – Ich hatte mich bei der Meldestelle in Arezzo vorgestellt, denn das war damals der Wehrbezirk. Und da ich zu den ersten gehörte, die einberufen wurden, das geschah wohl in alphabetischer Reihenfolge oder was weiß ich, letztendlich hatte man mich mindestens zehn Mal untersucht… das zehnte, das elfte, das zwölfte Mal, so dass ich in kurzer Zeit fertig war und für wehrdiensttauglich erklärt worden war. Ich hab natürlich nicht danach gefragt, wo man mich einsetzen würde oder wo nicht. Auf jeden Fall war ich fertig, kam raus, und wen treffe ich? Monsignor Guerri, aus meinem Heimatort Avena.

URBANO CIPRIANI – Ach, den kenne ich! 3 Die Zwischenbemerkungen des Interviewers Urbano Cipriani werden ab sofort kursiv vom restlichen Text abgehoben.

Er war nicht nur ein Freund, für meine Familie war er weit mehr als nur ein Freund und ich sage ihm…

(Guerri zu ihm): «Sieh da, Natalino4 Natalino ist eine Koseform des Vornamen Natale.

«Ja – sage ich – bin gerade durch mit der Musterung, alles gut gelaufen – sag ich – könnte man nicht vielleicht ausfindig machen, wo man mich einsetzen will?» Er war nämlich jemand, das wusste ich, der in Arezzo alle kannte und der sich überall Gehör verschaffte.

Dann sagte er: «Warte mal, ich hör mal eben ’rum.»

Und nach zehn Minuten war er auch schon von oben zurück: «Ja, sie haben dich zum 6. Regiment der Bersaglieri nach Palermo beordert.» «Ach, du liebe Güte – sag ich – was soll da nur draus werden, bei der 6. Bersaglieri – sag ich – nach drei Monaten werde ich mich in Afrika wiederfinden.»

URBANO CIPRIANI – Eh! eh! eh!

«Versuchen Sie doch mal, schauen Sie mal, ob… ob man mich nicht auswechseln kann, wohin auch immer, mir ist alles recht.»

Daraufhin ging er nochmal zurück und sagte dann: «Nee, leider nichts zu machen, die Liste mit den Rekruten für Palermo kann nicht mehr geändert werden, Also nichts zu machen.»

«Um Gottes willen, da will ich nun wirklich nicht hin.»

Darauf sagt er zu mir: «Komm, lass uns zum Flughafen gehen! Ich weiß, dass man sich dort als Freiwilliger bei der Luftwaffe melden kann.»

Wir gehen also zum Flughafen und treffen einen Flugkapitän, und die beiden duzten sich als wären sie Brüder: «Ja – sagt er – leider keine Neuanmeldungen… die Musterung ist abgeschlossen, aber da gibt es noch… in Rom sind noch etliche Plätze frei, da werden noch Tauglichkeitsuntersuchungen gemacht.» Denn die Untersuchung für die auszubildenden Spezialisten der Luftwaffe wurde nicht hier in Arezzo, sondern in Rom durchgeführt, das war denn auch eine Untersuchung ganz anderer Art.

Und dieser Kapitän sagt dann zu ihm: «Oder sonst hab ich auch noch ’ne andere Idee – sagt er – fahr nach Hause, geh bei der Gemeinde vorbei, und lass dir diese Formulare ausstellen, die man für die Musterung dort vorlegen muss. Sagt er: «Und morgen früh kommst du hier wieder vorbei, ich steck sie dir alle in einen Umschlag und schick dich dann direkt dahin, wo die Untersuchung gemacht wird, ’ne ganze Reihe Rekruten müssen sich dort noch der Tauglichkeitsuntersuchung unterziehen.

Ich gehe also nach Hause, danach gleich zur Gemeinde und in der Gemeinde treffe ich den armen Elia, die Mariettina und den Lanini… wie hieß der doch gleich nochmal, Franco? Nee, ich meine den Lanini, der die Schwester von Toni aus Poppi geheiratet hatte. Kurzum, da waren also diese drei. Ich war pünktlich angekommen, weil ich den Zug um elf noch erwischt hatte. Gegen Mittag, als ich ankam, war das Büro noch geöffnet. Fosco! Lanini: jetzt fällt mir der Name wieder ein. Alle drei, Fosco, Elia und Mariettina, sagten mir: «Komm du morgen früh um acht, um halb neun, denn der Simoni muss die Dokumente unterschreiben», der war Bürgermeister – lass mich mal eben überlegen – damals gab es keinen Bürgermeister, da gab es eine Person die ein ähnliches Amt innehatte…

URBANO CIPRIANI – Der Podestà .

Der Podestà, das war der Simoni.

Am nächsten Morgen gehe ich also zur vereinbarten Stunde und alles ist fertig, die Dokumente werden mir ausgehändigt und ich nehm alles an mich, erreiche gerade noch den Zug um halb elf, der kam gerade zurecht, steig ein und fahre nach Arezzo. Am Bahnhof wartet schon Monsignor Guerri auf mich. Wir fahren zum Flughafen, treffen den Kapitän, der die ganzen Papiere in einen großen Umschlag steckt und mit folgender Adresse versieht: Ripa Grande, Nr. 31, Rom. Er sagt: «Dort finden die Musterungen statt, die noch in vollem Gange sind.» Weiterhin sagte mir der Kapitän noch: «Sobald du da bist, übergibst du dem Portier diesen Brief.» Ich geb den Brief also dem Portier, der ihn gleich öffnet, eben kurz durchliest und mir dann zu verstehen gibt: «Alles klar, geh nach nebenan» und den Brief übergibt er… gibt er weiter ebenfalls nach nebenan.

Lange Rede, kurzer Sinn, man hatte mich in die Liste der zu prüfenden aufgenommen, und richtig… am Nachmittag wurde ich noch nicht aufgerufen, aber am folgenden Vormittag war die Reihe an mir: Ich wurde untersucht, das waren komplizierte Tests, da gibt es den mit der Falltür 5 Bei diesem Test fällt man ohne Vorwarnung durch eine Falltür in einen Raum darunter. Dabei soll man nicht das Gleichgewicht verlieren, sondern gleich Befehle ausführen können. , dann muss man sich noch unzähligen kleineren Prüfungen und Tests unterziehen. Um dir nur einige zu nennen… zum Beispiel ein Blatt so groß wie ’ne halbe Zeitung mit hundert Fragen, du musst diese Fragen beantworten und dann geben sie dir eine Schachtel mit dreißig, vierzig kleinen Stückchen, die die ganze Schachtel ausfüllen, die wird dann geleert und du musst die einzelnen Stückchen dann wieder genau so platzieren wie vorher und das alles innerhalb einer bestimmten Zeit, weißt du, und dann… viele Plättchen, so runde… eins wog zehn Gramm, ein zweites elf, ein anderes… Im ganzen waren es dreißig, bis an die vierzig, du musst die dann alle reihenweise nach Gewicht aufreihen… eine Reihe, dann die nächste, weitere dreißig Plättchen, oder waren das zwanzig… ja zwanzig in roter Farbe, allerdings: nacheinander in immer leuchtenderem Rot, du musst die dann ordnen, und zwar in der richtigen Reihenfolge. Also hundert und aberhundert Fragen und Prüfungen.

Nach all diesen Fragen und Prüfungen wurde aussortiert: die für untauglich erklärten, und das war ’ne ganze Menge: ab nach Hause! Nach vier Tagen, wie die Musterung abgeschlossen war, geht’s los… man bringt uns in eine riesengroße Aula, wir zählten ungefähr 250, 260 Mann und wir nehmen dort Platz und werden einzeln aufgerufen, in alphabetischer Reihenfolge. Ich wurde also aufgerufen… vor mir waren noch zwei oder drei namens Abbondanza, dann noch zwei oder drei Acciai und dann war ich auch schon an der Reihe. Ich wurde also aufgerufen, man kontrollierte alle Dokumente und sonstigen Papiere und dann hörte ich sie sagen:

«Und diesen hier, wer hat uns den denn geschickt?! Der hat den Abschluss der fünften Volksschulklasse!» In Wirklichkeit hatte ich regulär nur die dritte abgeschlossen, aber vor meiner Zeit als Soldat hatte ich durch eigenes Lernen noch die Abschlussprüfung der fünften nachgeholt6 Natale hat als Kind also nur die drei ersten von fünf Grundschulklassen besucht. Er hat später ohne weiteren Schulbesuch in eigenständiger Vorbereitung das Abschlusszeugnis der Grundschule (die Licenza elementare) abgelegt. .

Er sagt: «Den hier können wir nicht gebrauchen, den schicken wir wieder nach Hause!» Dann geben sie meine Akte zur nochmaligen Durchsicht und Kontrolle an einen Oberleutnant weiter, der drüben an seinem Schreibtisch saß. Inzwischen wurde der zwanzigste aufgerufen, nach kurzer Zeit der dreißigste, ein gewisser Benedetti Giuseppe aus Tuscania, Provinz Viterb… Grosseto: «Auch der hier, wer hat uns den nur geschickt?! Also ebenfalls untauglich.» Der wurde also auch als ungeeignet ausgesondert und seine Akte, seine Dokumente an den Diensthabenden übergeben. Am Ende, nach den letzten Aufrufen: «He da, die hier schicken wir wieder nach Hause.»

Um an diesen Schulen zugelassen zu werden, musste man mindestens den Abschluss der Volksschule vorweisen können. Damals gab es dann noch die Handelsschule… die Volksschule gab’s in zwei Schulzweigen.

URBANO CIPRIANI – Ja, die Fachschule

Die Fachschule… also von den beiden genügte es, eine zu haben.7 Nach der Grundschule folgte in Italien entweder das Gymnasium oder eine dreijährige Mittelschule.

Und nochmals hörte ich ihn sagen: «Diese hier, die schicken wir nach Hause.»

Sagt dieser Oberleutnant… Wozu dann also all diese Prüfungen, die Falltür, du musstest gleich nach dem Sprung auf Befehl lesen, markieren, auf Kommando die richtigen Tasten drücken. Also ich sage dir: vier ganze Tage, um uns zu prüfen und unsere Tauglichkeit festzustellen.

Dann sagt der Oberleutnant: «Also, wenn es nach mir ginge, ich würde diese beiden Jungs die Ausbildung machen lassen. Die haben wirklich außergewöhnliche Fähigkeiten, ganz zu schweigen von der guten körperlichen Verfassung. Von den anfänglich vierhundert Rekruten gibt es vielleicht ganze zehn mit vergleichbaren Fähigkeiten.»

Sagt er: «Und überhaupt, wird nicht alle zwei Monate ohnehin eine Prüfung abgehalten?»

Alle zwei Monate wurde dort eine Prüfung abgehalten und diejenigen, die das vorgeschriebene Ziel nicht erreichten: ab nach Hause! Verstehst du?

URBANO CIPRIANI – Also gab es eine Möglichkeit

Ja doch, die gab’s wirklich…

«Ja aber…» wollten die anderen einwenden.

Da sagt er kurz entschlossen: «In die Ausbildung mit den Jungs!» Und sie schicken uns in den Kursus.

Militärakademie und Jagdbomberstaffel 8 8. Februar 1941 – 8. September 1943.

Der erste Kursus wird in Ascoli Piceno unter Leitung des Ingenieurs Cesari abgehalten und dauert ein Jahr. Gleich anschließend ein zweiter einjähriger Kursus, jedoch mit einer praktischen Ausbildung. Wir nehmen also an den Kursen teil und die ersten zwei Monate sind vergangen, ohne dass wir geprüft wurden, weder ich noch dieser Benedetti, denn, ehrlich gesagt, war das Programm für uns zu hoch angesetzt und man verstand gar nichts, verstehst du? Wenn jemand von der Mittelschule…

URBANO CIPRIANI – Sicher!

… zur Oberschule überwechselt, gut, aber einer, der nach der fünften Volksschulklasse direkt auf die Oberschule soll, das kann nicht gut gehen…

Immerhin waren wir zu zweit… man hatte uns zusammengesetzt und wir saßen auf der gleichen Bank, und wir strengten uns an, aber ordentlich an, verstehst du?

Am Abend, allabendlich, kam der Kursleiter in die Aula. Der Tagesablauf begann morgens um acht und mittags waren wir zurück, dann ging es um zwei wieder los und um sechs kamen wir zurück. Nach 18 Uhr, d. h. ab 19 Uhr mussten wir zwei Dienstpflichtstunden in der Aula absolvieren, sozusagen ein Pflichtstudium, unter Aufsicht eines Unteroffiziers. Nach Beendigung dieser zwei Stunden durfte man dann entweder zu Bett gehen oder wer wollte durfte auch aufbleiben. Wir zwei gehörten zu denen, die weiter da blieben, denn wir waren voller Lerneifer.

Beim Lernen und in der Aus– und Weiterbildung, insbesondere im Bereich der Elektrotechnik entdeckt man viele Dinge, die Realität ... Wir waren in der sechzehnten Einheit der Bordelektromechaniker, zuständig für das Funktionieren der elektromechanischen Apparaturen, das war unser Hauptfachgebiet – auf jeden Fall waren wir mit großem Interesse bei der Sache.

Nur damit du ’ne Vorstellung hast, wir hatten nebenher noch eine Stunde… das heißt zwei Stunden wöchentlich Unterricht in Bau und Funktion des menschlichen Körpers. Und an den Unterrichtstagen über den menschlichen Körper, wir hatten dienstags und samstags je eine Stunde, blieb ich abends auf und ging nicht zu Bett, um mich weiter mit der Materie zu beschäftigen, denn wer sich in den Militärschulen weiterbilden will und lernfähig ist, dem sind keine Grenzen gesetzt.

Also, wie wurde nun weiter verfahren. Nach den zwei Pflichtstunden, die wir noch freiwillig geblieben waren, kam immer der Kursleiter zu uns und sagte: «Einen von euch will ich prüfen.» Wer an der Militärschule nur zehn von zwanzig Punkten erreichte: elf… nee, zehn von zwanzig: einen Tag… eine Nacht Karzer; elf von zwanzig: keinen Karzer, keine Prämie; fünfzehn von zwanzig: kein Karzer, keine Prämie; sechzehn von zwanzig: eine einmalige Ausgangserlaubnis für abends, denn wohlgemerkt, der freie Ausgang für alle war dem Sonntag vorbehalten, verstehst du? An den übrigen Tagen gab es keinen freien Ausgang; siebzehn von zwanzig: Ausgangserlaubnis für zwei Abende; achtzehn von zwanzig: Ausgangserlaubnis für drei Abende.

URBANO CIPRIANI – So! so!

Zwanzig von zwanzig wurden niemandem gegeben, aber achtzehn, die hatte ich schon mehrmals erreicht. Das war… Nach vier Monaten sind auch wir dran mit der Prüfung. In der Zwischenzeit hatten sie bereits um die 50 oder 60 weggeschickt: Schon in den ersten zwei Monaten wurde die Spreu vom Weizen getrennt und die Schafsköpfe waren die ersten, die auf der Strecke blieben, kein einziger erreichte die Mindestnote. Um es kurz zu sagen, nach vier Monaten haben wir beide, ich und dieser Benedetti, die Mindestnote erreicht. Nach sechs Monaten, ebenso. Also um den sechsten Monat, ungefähr um die Zeit, vor Ablauf der sechs Monate, hatte ich mir zwei Ausgänge verdient, als man uns Fragen stellte. Die gerade da waren, wurden befragt und dann sagte der Kursleiter: «Wer von euch weiß es?» Wer die Antwort wusste, wurde mit einem Ausgang belohnt. Während er den einen befragte, stellte er aber gleichzeitig auch den anderen Fragen, denn wenn der Befragte keine Antwort wusste, richtete er seine Fragen an die ganze Gruppe und da gab es immer jemanden…

(an Urbano gewandt und auf das Fenster zeigend:) Schieb das Ding mal hoch!!

URBANO CIPRIANI – Ja, ja.

… der eine Antwort parat hatte.

Nun noch ein Zwischenspiel: also mir passierte es z. B., ich war einer der, jetzt weniger, aber damals litt ich sehr unter Fußschweiß und musste meine Socken dauernd wechseln und wusch sie im Handumdrehen immer selber, folglich hielten sie nur kurze Zeit. Und jedes Mal, wenn… als ich dann nicht mehr weiter wusste, meldete ich mich kurzerhand zum Rapport, um beim Befehlshaber vorsprechen zu können. Ich wurde also beim Befehlshaber vorgelassen und sage: «Herr Hauptmann, ich habe da eine Schwachstelle, die Sache verhält sich so und so…»

«Nur keine Aufregung.» Er stellte mir einen Schein aus: «Genügen dir 5 Paar? Also geh zum Depot und lass sie dir aushändigen. Wenn die verbraucht sind, meldest du dich wieder und lässt dir neue geben.» Das waren immerhin schon einige Erleichterungen, die einem da eingeräumt wurden. Nun weiter. Du weißt doch, wir schliefen, geschlafen wurde in Etagenbetten, wir hatten also zwei enge Betten. Und da war doch ein Kerl, ein gewisser Màngani, der wollte unbedingt in mein Bett kriechen, hoch in mein Bett klettern. Das war einer, der war voller Lerneifer, verstehst du, der wollte was aus sich machen, aber ihm fehlte der Grips.

Er sagt: «Ich komm zu dir hochgeklettert, denn wenn ich nachts aufwache und mir kommt was in den Sinn, dann frag ich dich und du hast die Antwort.» Solch ein Verhalten war immerhin anerkennenswert. Er hatte sich mir anvertraut und mir erzählt: «Mein Papa ist tot, ich hab noch meine Mama, die allein ist, wenn sie mich an die… wegschicken» –denn die, die weggeschickt wurden, die schrieben dann von der Front oder von woanders her– «wenn auch meine Mama stirbt, der Himmel sei mir gnädig!»

Ich hab ihm natürlich geholfen, nicht nur ihm! Ich hab sogar denen geholfen, die mich anfangs «lo Zollone»9 Abwertende Bezeichnung für einen Bauern. "Zollone" kommt von "zolla", wörtlich "Erdscholle". nannten, meines Berufes wegen, weißt du?

URBANO CIPRIANI – So! so! so!

«U Zullone!!» Weißt du diese Römer, die kann ich dir nur empfehlen, denen muss noch ganz schön was beigebracht werden. Schließlich hatten wir den ersten Teil unseres Kurses hinter uns gebracht, nicht den ganzen Kursus, den ersten Teil, der im Februar endete, am 22. Februar…

Dann folgte der zweite Teil und ich erinnere mich, dass des öfteren der Kursleiter kam und ausrief:

«Ich brauche einen Freiwilligen, wer meldet sich freiwillig», aber keiner meldete sich. Sodann nahm er seine Liste zur Hand und rief immer die auf… unter uns waren Leute mit einem gewissen Bildungsgrad, so z. B. Buchhalter, Vermessungstechniker und andere… er wandte sich also immer an jene, die einen gewissen Bildungsstand erwarten ließen. Es wäre ihm kaum eingefallen, jemanden zu nötigen, der die fünfte Volksschulklasse absolviert hatte.

Kurz, am 20. oder 21. Dezember kommt der Kursleiter und stellt die gleiche Frage. Guck an, Hauptmann Pasinati aus Pisa diesmal. Also: «Wer meldet sich als Freiwilliger.»

Ich erheb mich, denn man musste aufstehen und sagen… (hebt den rechten Arm, winkt mit der Hand)

URBANO CIPRIANI – So! so!

«Agostini Natale!»

«Du, ja, komm nach vorn! Du bist wenigstens ein Toskaner, wir verstehen uns bestimmt!» (er lächelt und streicht sich mit Befriedigung die Haare glatt).

Ich geh also nach vorn und er gibt mir zu verstehen: «Heute stelle ich euch keine Schulfragen, ich befrage euch nach Belieben und ihr antwortet, so gut ihr könnt. Selbst wenn ihr keine einzige Antwort wisst, bleibt ihr straffrei, aber wenn eure Antwort einen Ausgang verdient, bleibt die Belohnung nicht aus: seid sicher, dass ihr sie bekommt.»

Er ruft mich also heran und stellt mir so allerhand Fragen. Und ich, in aller Ruhe und so gut ich konnte, formuliere meine Antworten.

Und nachdem er mich vielleicht zehn Mal befragt hatte, sagte er: «Hör zu, jetzt stell ich dir ’ne weitere Frage. Meine bisherigen Fragen hast du beantworten können… deine Antworten waren immer richtig, keine einzige hatte das Thema verfehlt. Jetzt stell ich dir noch eine letzte und frage dich, wie du es fertig gebracht hast, auf alle meine Fragen zu antworten, wo du doch nur den Abschluss der fünften Volksschulklasse hast.»

Und das war der Moment, wo ich den Mut aufbrachte, um ihm zu sagen: «Ja, aber den Abschluss der Fünften habe ich durch eigenes Lernen erworben. Mein regulärer Schulbesuch endete ja mit der dritten Volksschulklasse.»

«Und bei all diesen Antworten hast du nie falsch geantwortet.»

«Nun ja – erwiderte ich – vielmehr wollte ich ihnen dazu sagen, dass die, die diese Fragestellungen, diese Bestimmungen, ausarbeiten, – denn im Grunde genommen lassen sich die Themen mit wenigen Worten auf den konkreten Inhalt des Themas beschränken – das sind gescheite Menschen mit Köpfchen, da könnte ich nie und nimmer mithalten, und mit dem Lernen war’s bei mir auch nicht weit her: ich kann sie nicht wie diese Leute erklären. Ich versuche halt, so gut wie möglich zu argumentieren und die Fragestellung wenigstens teilweise richtig zu erfassen.»

«Nun will ich dir ’ne weitere Frage stellen – sagt er – und wenn du mir richtig antwortest, dann kannst du mit einer Belohnung rechnen.»

Also! Ich stand da und war ganz Ohr. Die Frage lautete:

«Wie lange warst du schon nicht mehr zu Hause?»

«Hm, seitdem ich von zu Hause weggefahren bin – sage ich – seit dem 8. Februar.»

«Wie wär’s mit einem Kurzurlaub nach Hause?»

URBANO CIPRIANI – Oh! oh!

«Auch ein Professor oder Gelehrter könnte keine bessere Antwort als ich geben. Aber gewiß, nur zu gerne würde ich fahren.»

«Morgen früh meldest du dich in der Schreibstube: dir werden 5 Tage Urlaub plus Reise gewährt.» Der einzige Heimaturlaub (mit erhobenem linken Zeigefinger), denn bis zum Ende vom Kurs gab es keinen Urlaub mehr: ich war der einzige (mit erhobenem linken Zeigefinger), dem ein Urlaub als Prämie gewährt wurde. Und so fuhr ich also nach Hause, im September. In den letzten Junitagen wurden die Prüfungen abgehalten: In der Rangfolge war ich Zwölfter mit bestandener Prüfung.

URBANO CIPRIANI – Ende Juni welchen Jahres?

Im Jahr 1900… 40… 1942. Wohlgemerkt: das war der erste Kursus, nicht der zweite, verstehst du!

URBANO CIPRIANI – Ja!

Es war nicht der zweite Kursus. Der Benedetti landete auf dem zwanzigsten Platz, das will wohl was besagen. Mir fallen jetzt weitere Namen ein wie… Cardani, Pucci… und dann waren da auch die Söhne der Obersten, die Söhne der Aufseher, alles Leute… Kurzum, nach Beendigung des ersten, beginnt nun der zweite Kursus, der in Capodichino stattfinden sollte und wir wurden alle dorthin versetzt.

In Capodichino südlich von Neapel, da sollten wir also wie vorgesehen ein Jahr verbleiben. Aber schon nach zehn Tagen sind wir allesamt nach Porto Rose hin verlegt worden, kurz hinter Triest, also schon in Slowenien. Und weshalb? Wegen der unaufhaltsamen Bombardierungen konnten wir in diesen zehn Tagen keinen einzigen Tag zum Unterricht. Capodichino wurde ununterbrochen bombardiert, was das Zeug hielt, es war die reinste Hölle.

Also wurden wir nach Porto Rose gebracht. Dort sollten wir vorerst bleiben und den einjährigen Kursus machen: Nach sechs Monaten, Ende Juni, wurden wir abkommandiert. Ich kam zur 36. Einheit der Jagdbomberstaffel, … die bei Altura di Pola stationiert war. Das war jedoch eine Wasserflugzeug-Staffel: die 36. Einheit bestand aus Wasserflugzeugen. Nun noch was über unseren Einsatz. In den ersten September … nicht Anfang September: ein wenig früher, die genauen Tage sind mir nicht in Erinnerung geblieben, also in den letzten Augusttagen erhielten wir eine Fernsprechnachricht, einen Fernbefehl, und zwar wurde uns befohlen, mehrere Versorgungsschiffe zu eskortieren, die vom Hafen Piombino ausgelaufen waren, um Nachschubfracht nach Sizilien zu bringen, denn die Truppen waren noch nicht gelandet, verstehst du, die Alliierten.10 Das Ereignis ist wohl auf Ende Juni oder Anfang Juli 1943 zu datieren. Die Landung der Alliierten in Sizilien fand am 10. Juli statt.

URBANO CIPRIANI – Ja, ja.

Und als wir vorbei waren an… unsere Eskorte bestand aus zwölf Flugzeugen, als wir vorbei waren an der Insel Elba… wir hatten die Insel Elba etwa hundert Kilometer hinter uns, da kamen plötzlich amerikanische Jagdbomber, Amerikaner und Engländer, auf uns zu, es müssen an die hundert gewesen sein! Kurzum: Von zwölf Maschinen kehrten sieben zurück, fünf sind im Meer gelandet. Wir erlagen einer gewaltigen Übermacht!

URBANO CIPRIANI – 'Ne schöne Taufe.

Ja, sie haben uns abgeschossen. Wie auch immer, wir sind oben im Norden geblieben. Dann kam der 8. September.11 8. September 1943. Nach der Landung der Alliierten in Kalabrien unterzeichnet die Regierung unter Marschall Pietro Badoglio am 3. September den Waffenstillstand von Cassibile zwischen der italienischen Armee und den Alliierten. Der Abschluss des Waffenstillstands wird den Italienern am 8. September im Rundfunk verkündet, während die Alliierten in Salerno bei Neapel landen und sich die Regierung, Pietro Badoglio und der König nach Brindisi absetzen und unter den Schutz der Amerikaner und Briten stellen. Der Waffenstillstand trifft die italienischen Streitkräfte völlig unvorbereitet.

Der 8. September und das slawische Gefangenenlager 12 8. September – Anfang November 1943.

Ab dem 8. September wechselten wir des öfteren unsere Wasserlandeplätze, denn geografisch gesehen, wenn du die Karte mal ansiehst, von Triest aus betrachtet ist die gesamte slawische Küste gradlinig, es scheint als wäre sie… aber genau das Gegenteil ist der Fall, denn um von Triest nach Zara zu gelangen, auch Zara gehörte zu Italien, führt der Weg über hundert Inseln, verstehst du, hundert Inseln, hundert… wie sagt man… hundert Meeresbuchten, also wir landeten nicht immer in Altura di Pola, verstehst du?, auch um nicht entdeckt zu werden. Das waren Entscheidungen… darauf hatte ich keinen Einfluss, diese Entscheidungen trafen die Fliegeroffiziere.

Wie auch immer, am Abend des 7. September wasserten wir vier oder fünf Kilometer von Zara entfernt auf italienischem Hoheitsgebiet, denn Zara, Zagreb, Laibach… Fiume, Pola gehörten alle zu Italien. Im Krieg von 1915 – 1918 waren all diese Gebiete eingenommen worden, gehörten alle zu Italien, insgesamt eine Fläche, die mit der Ausdehnung der Toskana vergleichbar ist. So, jetzt hör zu, was am folgenden Morgen dann passiert. Kurz gesagt: in der ersten Morgendämmerung hörte man allenthalben ein Geflüster… unsere Wachmannschaft hatte beim Morgengrauen genau beobachtet, was geschehen war, dass wir alle von Schiffen umzingelt waren, ringsherum Schiffe. Es gab kein Entkommen, wir wurden alle gefangen genommen. Flüchten…, einige erreichten sogar die Flugzeuge, aber mit den Maschinen kann man nicht starten, ohne vorher aufzutanken, ohne vorher…

URBANO CIPRIANI – Sicher!

Und dann, nicht genug des Schreckens, gegen Morgen, ungefähr um halb neun, wir befanden uns zu der Zeit noch in unserem Feldlager, hörten wir aus dem Radio die Stimme von General Badoglio, der folgende kurze Nachricht übermittelte: «Landsleute, unser gemeinsamer Feind ist der Deutsche. Für uns ist der gemeinsame Feind deutscher Herkunft.»

Also, nach der Umzingelung waren wir praktisch wehrlos. Hätten wir Widerstand geleistet, hätten wir uns zur Wehr gesetzt, ja wie denn, wir wären allesamt vom Maschinengewehrfeuer des Gegners niedergemäht worden. Wir wurden also abgeführt. Sie brachten uns oben auf einen Berg, uns alle, der lag zwischen Zadar und Sarajewo. Von beiden Orten waren wir wohl gleichweit entfernt, ich schätze mal so um die fünfzig Kilometer. Alle unsere Lagervorräte wurden den Berg hoch geschleppt, der Feldzwieback, die ganzen Essensvorräte wurden nach oben geschafft. Und da oben wurde dann eine Hütte… wir waren auf 1800 Meter Höhe, stell dir vor, eine Hüttenunterkunft… die war vielleicht sechzig Meter lang oder länger und hatte eine gewisse Breite, verstehst du? Also dort war unser Schlafplatz…

URBANO CIPRIANI – Zu wie vielen ward ihr?

An die zweihundert, als wir oben ankamen.

URBANO CIPRIANI – Und die euch gefangen genommen haben, was waren das für Landsleute?

Das waren die Titini,13 Die kommunistischen Tito-Partisanen. die Tito-Getreuen.

Und die Tito-Partisanen – man sollte es kaum für möglich halten – die waren sogar untereinander zerstritten. Dass es sich dabei um wilde Tiere handelte, werden wir noch sehen… denn alle, ausnahmslos alle, wollten unsere Ausrüstungen und Essensvorräte stehlen, wollten uns ausrauben und alles wurde nach oben auf den Berg geschafft. In den ersten drei oder vier Tagen bekamen auch wir noch etwas zum Essen ab. Nach acht Tagen war für uns nichts mehr übrig. Selber hatten sie allerdings auch nur noch wenig. Die Vorräte gingen schnell zur Neige, denn die Gruppe, die uns gefangen hielt, hatte nicht alle Vorräte für sich behalten. Auch die anderen Partisanen, die unten zurückgeblieben waren, hatten einen Teil der Beute für sich eingefordert. Sie haben sich untereinander gestritten, aber geteilt haben sie ein bisschen. In unserer Situation hatten wir natürlich jegliche Kontrolle über unsere Vorräte verloren und konnten uns unmöglich einmischen.

Nach etwa zwanzig, fünfundzwanzig Tagen waren alle Vorräte verbraucht, nichts war übrig geblieben… nicht mal die hatten mehr Nahrungsvorräte. Um sich Nahrung zu verschaffen, gingen sie ein Stück den Berg hinunter und da unten waren die Hirten mit ihren Schafen, von dort brachten sie immer zwei, drei Schafe mit hoch. Die landeten dann in einem Riesenkessel, der in etwa diese Größe hatte (zeigt mit ausgebreiteten Armen den Umfang) und so voluminös war, dass zwei Schafe gut ’rein passten. Dann wurde eine Kochstelle hergerichtet, mit drei großen Pfählen, ungefähr so (deutet mit ausgespreizten Zeigefingern und Daumen auf eine Pyramidenform), etwa zweieinhalb Meter hoch und oben zusammengebunden und befestigt mit einem Stahlseil, von dem das längere Ende in der Mitte herunterhing und am Ende einen Haken hatte, einen großen Lasthaken, zum Aufhängen des Kessels. Darunter wurde dann Feuer gemacht und das Wasser im Kessel zum Kochen gebracht und die Schafe wurden dann nicht weniger als sieben, acht Stunden lang durchgekocht. Nach dieser Kochzeit wurde auf einer halbwegs ebenen Stelle ein Laken ausgebreitet und der ganze Inhalt des Kessels darauf entleert. Sogleich machten die sich über das Fleisch her und verputzten alles restlos, und die Knochen… da war alles voller Steilhänge, sogar Wölfe zogen dort umher… die schleuderten sie einfach in hohem Bogen den Abhang hinunter.

Ich war nach wie vor noch in ziemlich guter Verfassung, denn, nun hör gut zu, Not macht erfinderisch und… – um uns herum war alles voller Büsche und Sträucher, verstehst du? – und wenn mich der Hunger überkam, ging ich in die nähere Umgebung und sammelte und aß die Hagebutten, die an den Sträuchern hingen.

Da gab es rote Beeren, auch schöne runde, schwarze, voller Samen mit Härchen, aber ich hatte gesunde und starke Zähne und vom Hunger getrieben stopfte ich alles in mich hinein und knabberte und nagte an allem, was essbar war… und jetzt bin ich 83 und bis heute habe ich noch nie an Magenverstimmungen gelitten, also hatte ich gottseidank auch einen gesunden Magen. Von meinen Kameraden hielten sich viele nicht mehr so richtig auf den Beinen. Dazu kam der Durst… der Durst ist schlimmer als der Hunger. Wenn dich der Durst quält und du kannst nicht… . Es gab in der näheren Umgebung kein Wasser, kein Anzeichen, das auf Wasser hindeutete. Etwas weiter entfernt gab es aber eine kleine Quelle, nur durften wir uns nicht mehr als zehn Meter von unserem Feldlager entfernen. Ab und zu wagte sich aber doch jemand vom Durst gequält und unter Lebensgefahr bis dort hin… Einmal passierte es, dass eine ganze Gruppe sich bis zur Quelle vorgepirscht hatte, um aus der Hand zu trinken. Genau in dem Moment kamen sechs, acht auf die Gruppe zu und… – weißt du, da kannste nicht weglaufen, die waren alle bewaffnet, auch mit Maschinenpistolen – und alle wurden auf die grausamste Weise – ihnen wurde die Kehle durchschnitten – umgebracht. Aber auch unter sich, zwischen verfeindeten Parteien, wurde dieses grausame Töten praktiziert, so konnte ich beobachten. Um dir nur ein Beispiel zu nennen, du weißt doch, wo Monte Corniolo liegt und nur 200 Meter Luftlinie entfernt erhebt sich Monte Civitella. Also Monte Corniolo wurde von einer Gruppe beherrscht und Monte Civitella von einer anderen. Wenn die zusammenkamen oder sich begegneten und aus welchen Gründen auch immer aneinandergerieten, dann gingen sie aufeinander los und schnitten sich gegenseitig die Kehle durch. Ohne Gnade, schau, sie packten so zu (mit der rechten Hand fasst er seinen Kopf und führt die linke Hand waagerecht blitzschnell an den Hals), dann ein Bajonettstoß und der Mann sank augenblicklich zu Boden und lag im Sterben, und das war sein Ende.

So, in welches Abenteuer wurde ich nun verwickelt. Auf der Suche nach etwas Essbarem rund um unser Feldlager, musste ich mich immer weiter entfernen, denn die an den Vortagen gesammelten Beeren waren natürlich inzwischen nicht nachgewachsen und so zog ich immer größere Kreise um unser Feldlager und entfernte mich, auf der Suche nach Beeren und vom Hunger getrieben, immer weiter. Ich war also wieder auf der Suche und befand mich in etwa 25 Meter Entfernung, da sehe ich plötzlich jemanden hinter einem Felsvorsprung hervorkommen, der mir das Gewehr auf die Brust setzt.

«Halt! (führt eine Geste mit offener Hand aus, zum Gesprächspartner hin) Nicht schießen! Ich hab dir nichts getan. Hier, kannst mich durchsuchen, ich bin unbewaffnet (er klappt seine Jackenzipfel nach außen). Und gegen dich hab ich allemal nichts. Ich brauch dir ja nicht zu sagen, was ich hier suche, du hast mich ja beobachtet, bevor du auf mich gezielt und mir das Gewehr auf die Brust gesetzt hast, wie ich hier diese Beeren sammle, wie ich hier was zu essen suche. Ihr habt selber auch nichts mehr zu essen und deshalb ist für uns schon gar nichts mehr übrig, also ess ich diese hier um… Ich versuche einfach, hiermit zu überleben, denn zu Hause habe ich meinen Papa und meine Mama, die auf mich warten, und dann hab ich noch sechs jüngere Geschwister. Genau wie ich, hast du doch sicher auch deinen Papa und deine Mama und würdest gerne wieder zu Hause sein. Nur, die uns befehligen, haben mich hierhin und dich dorthin beordert. Zurück nach unten ins Tal kannst du nicht gehen, da sind die Deutschen. Was du mir jetzt antun könntest, können die da unten mit dir genau so machen, also…»

Weißt du, was ich dem erzählte, musste wohlüberlegt sein. Als junger Kerl war ich standhaft, konnte reagieren und war den verschiedensten Situationen gewachsen; das ist jetzt vorbei, die Jahre sind dahingegangen. Während ich also weiter mit ihm im Gespräch blieb, senkte er langsam den auf mich gerichteten Gewehrlauf, verstehst du? Hielt das Gewehr also nicht mehr im Anschlag.

URBANO CIPRIANI – Hm!

«Ich danke dir, dass du mich nicht getötet hast – hab ich zu ihm gesagt – aber vielleicht musst du dich auch bei mir bedanken, denn hättest du mich getötet, wärst du dein ganzes Leben von dieser Erinnerung, dass du einen Gleichalterigen umgebracht hast, geplagt worden (in welcher Klasse bist du? – hab ich ihn gefragt, wir waren fast gleich alt, nur wenige Monate Unterschied). Wie sollte er sich mir gegenüber also verhalten? Er hat dir nichts getan, er ist da, weil man ihn da hingeschickt hat… und du bringst ihn um! … wenn du dir das vergegenwärtigst, überkommt dich ein unheimliches Traurigkeitsgefühl.

Hast du mich hingegen verschont und mein Leben erhalten, so wirst du dieses Ereignis immer in freudiger Erinnerung haben.

Sieh mal! (an Urbano gewandt) Auch heute noch, wenn mir illegale Einwanderer begegnen… Alle sagen… aber ich helfe ihnen allen! Warum? Weil sie mir geholfen haben.

Du, sag ich (zu dem Slawen): «Hör mal zu, will mal sehen, ob ich mein Leben rette.» Ich sag: «Hör mal zu! Ich, von hier oben, auf der Bergspitze…» Es gab ein tiefes Tal. Von 1800 Metern ging’s runter auf so was wie 200 Meter, wo diese Gässchen weiterführen. Da sag ich: «Manchmal habe ich an Flucht gedacht, daran gedacht, mich den Deutschen auszuliefern, weil hier – sag ich– schau, du weißt ja, wir sind 200 gewesen, und nur etwa 50 haben überlebt.»

Die meisten umgebracht, und viele einfach tot… tot: ja tot! Nach zwei Monaten, es war die Zeit um Allerheiligen, die Heiligen vorüber, also vom achten September bis nach Allerheiligen liegen ja zwei Monate, September-Oktober… Ja, ohne Essen stirbt man. Weißt du, am Morgen, am Morgen sind nicht alle aufgestanden, verstehst du, selbst…

Um es kurz zu machen, sag ich ihm: «Hör mal, wenn ich einmal drüben durch den Graben gelaufen bin, mich dann durch’s Gestrüpp immer weiter vorarbeite, geradewegs den Berg hinunter, werde ich da unten in den Sträßchen landen, die man sieht, wo die Geländewagen fahren: Das sind sicher Deutsche.»

«Ja, ja – sagt er – das sind Deutsche.»

«Also… bevor ich hier sterbe, wäre ich… bin ich lieber ein Gefangener.»

Er sagt zu mir: «Ja, ja, aber hör mal! Dann musst du es so machen…» Und er hat dazugesagt:

«Wenn ich dich nachts hätte herunterkommen sehen, hätte ich ohne ’nen Ton zu sagen, auf dich geschossen, wie jeder halt. Heute abend um zehn zieh ich hier ab, hab um zwei meinen Dienst angetreten, macht acht Stunden, zieh ich hier ab. Nach zehn ist ein anderer hier, nicht mehr ich.»

Du musst wissen, dass sie gebürtige Italiener waren. Seine Eltern nicht, aber die waren nach 1918 geboren, seit 1918 waren se auf italienische Schulen gegangen. Die haben italienisch gesprochen wie wir. Die haben auch slawisch gesprochen, aber die sprachen italienisch, mit uns haben sie italienisch gesprochen.

Er sagt zu mir: «Also schau, bis um zehn bin ich hier. Du merkst dir gut die Stelle und kommst hier wieder vorbei. Ich werde natürlich nicht auf dich schießen, verstehst du?» Also, als wir Abschied nehmen und ich ihm die Hand gegeben hab, war er derjenige, der mir einen Kuss gab! Wie zwei Brüder!! Verstehst du?!

Und gegen… da es ja im November um fünf, halbsechs, na ja sechs dunkel ist, verstehst du? Gegen sechs, als es richtig dunkel war, mach ich mich auf den Weg, runter, runter, runter, ging da wieder vorbei und richtig, er hatte auf mich hinter dem Stein gewartet, wie… wie tagsüber. Er sagt zu mir (im Flüsterton): «Immer geradeaus runter.»

Ja, aber es hatte inzwischen geschneit, verstehst du, vier oder fünf Kilometer bin ich im Schnee gelaufen. Der Schnee da war hoch. Und… nachts, der Mond hat nicht geschienen.14 Laut einem im Internet konsultierten Mondkalender fällt Allerheiligen 1943 auf einen Montag mit leicht zunehmenden Mond. Das erste Viertel wird am Freitag, den 5. November erreicht. Die Flucht hat daher wahrscheinlich am 2. oder 3. November stattgefunden. Man stolperte… Also, am Morgen, bevor’s hell war, war ich meine zehn Kilometer gegangen, vielleicht auch fünfzehn. Ich warte da in dem kleinen Sträßchen, als ich in diesem Sträßchen ankomme, nach ’ner Weile hör ich ’nen Wagen kommen, war ’n Geländewagen, und nun: Ich stellte mich an den Straßenrand. So (bewegt die Hände, wobei die Handgelenke eins gegen das andere schlagen): «Ich, Italiener, Gefangener der Slawen.» Es waren zwei Deutsche, verstehen haben sie mich nicht, aber, als sie da angekommen sind, haben sie gesehen… ich hatte meine Fliegeruniform, meine Fliegerjacke noch an, denk nur. Sie haben gesehen, dass ich Italiener bin, an meiner Uniform, an diesem und jenem. «Mich mitnehmen.» Erst haben se etwas ratlos geguckt, dann haben sie mich aufgeladen, in diesem Gefährt.

Deportation nach Deutschland und Leben bei den Bauern 15 Mitte November 1943 bis Anfang Juni 1944. Natale Agostini bekräftigt mehrmals, Anfang November oder spätestens Mitte November in Deutschland angekommen zu sein. Alessandro Tuzza hat für uns freundlicherweise mehrere Nachforschungen über die Deportationen Zivil- und Kriegsgefangener vom Triester Bahnhof angestellt, nach denen diese Abtransporte wohl eher gegen Monatsende stattgefunden haben. Vielleicht kann uns die WASt in Berlin, bei der wir angefragt haben, nähere Auskünfte über den genauen Zeitpunkt der Ankunft Natale Agostinis in Deutschland und vor allem über die Kleinstadt, in die er deportiert wurde, erteilen, wenn es ihr gelingt, in ihren Archiven zum Zweiten Weltkrieg seine in Deutschland ausgestellte Aufenthaltserlaubnis als Zwangsarbeiter ausfindig zu machen. Seine Flucht und seine Rückkehr nach Italien müssen aus im Folgenden erläuterten Gründen auf frühestens Ende Juni 1944 datiert werden.

Und von da ist es in zwei Tagen, den ganzen Tag und den Tag danach, in zwei Tagen und noch ‘was, nach Triest gegangen. In Triest hatten sie diese Abteile… diese geschlossenen Abteile für Tiere, weißt du, mit diesen Handgriffen da unten. Aber da gab’s nicht nur die vom Militär; es gab Soldaten, Kinder, auch Frauen und Männer usw… und man sagte: unter den vielen hätte es auch wohl Israelis16 Der Zeitzeuge verwechselt hier "Israeliten"mit "Israelis". gegeben. Alles ein einziger Haufen, wie Ölsardinen, verstehst du?

URBANO CIPRIANI – Mmhm.

Auf den Boden… manche… mancheiner ging auch zu Boden, weil ihm schlecht war, wie auch immer, aber sonst gab’s keinen Platz, wir standen so gedrängt, dass er aufrecht gehalten wurde, so hat’s ausgesehen. Nach drei Tagen, drei Tagen und einer Nacht, zwei Nächten, an die genauen Stunden erinnere ich mich nicht mehr. Ich erinnere mich daran, dass man am frühen Morgen angekommen ist. Es war… noch ziemlich dunkel. Und den Lastzug, das Ding da, den Zug, hatte man da auf einem blinden Gleis abgestellt. Nach ’ner Weile, eigentlich sofort, kommen… man hat sie reden gehört… und dann… die Deutschen. Die hatten ein Wägelchen mit zwei Stangen und ’ner kleinen Fläche oben drauf, und zwei Rädern: das kam da angefahren. Und draufgelegt hatten se diese Brote wie… Goldbarren, rechteckig…

URBANO CIPRIANI – Ja, ja.

… voller Schimmel. Aus einem Brot machten se… machten sie sechs kleine Stücke. Dann öffneten sie die Abteile. Allen denen da… haben sie ein Stückchen davon gegeben. Die Toten hatten sie zu zweit genommen, herausgeholt und erstmal draußen liegen lassen. Weil es überall Tote gab: Kinder, Alte, Frauen, alle durcheinander. Als sie den Wagen geöffnet haben, wo ich war, beim Öffnen… – kann mich erinnern, dass ich nahe an der Öffnung war, war bestimmt der erste, der ein Stück Brot bekommen hatte – da stand ’n alter Mann vor mir, ein älterer Mann, in Zivilkleidung, der mit den Deutschen sprach (er war 75 Jahre alt, das ist heute nichts, aber 75 Jahre 1943 war etwas anderes; die Leute wirkten verbraucht, richtig alt). Aber… siehste, während dieser Alte mit den Deutschen spricht, hab ich derweil in mein Brot gebissen. Einer der Soldaten, von den Deutschen, geht kurz weg zum Bahnhof, kam aber nach wenigen Minuten zurück. Ist zurückgekommen und hat dann gesagt, nachdem er zurück war, sogar auf italienisch sagt er das, als ob einer von uns spricht, kein Napoletaner, kein Mailänder, nein: Mitte Italien.

«Wer von euch bei sich daheim war Bauer? – sagt er – Da dieser… dieser Mann ein Landbesitzer ist – seine Söhne sind eingezogen worden – braucht er Männer, um das Land zu bestellen.»

Ich hab sofort die Hand gehoben, als erster hab ich sie gehoben. Als ich die Hand gehoben hab, bin ich ganz schön aufgefallen, sowohl dem Alten als auch diesen Deutschen.17 Der Erzähler verwendet den Ausdruck "die Deutschen" nie um die Zivilbevölkerung, sonder immer nur, um die Angehörigen der deutschen Truppen zu bezeichnen. Dann haben viele sie gehoben, verstehst du? Um es kurz zu machen, mich haben sie zuerst gerufen. Der Mann hat fünf von uns genommen, verstehst du?

Er sagt: «Also, ich nehme euch zur Arbeit mit, heute abend bringe ich euch hier zum Kommando des Bahnhofs zurück.»

Wir zogen los. Als wir drüben angekommen sind, war ein bisschen Zeit vergangen, aber vom Bahnhof war’s nicht weit. Wird wohl, vom Bahnhof, ein Kilometer, anderthalb Kilometer gewesen sein, um da… also… um das Haus von dem da18 Der Erzähler wiederholt zweimal "das Haus von dem da", auf italienisch "questo coso", wörtlich "von diesem Dingsda". Damit drückt der Erzähler allerdings keine Geringschätzung gegenüber dem alten Landbesitzer aus, sondern vielmehr, dass er unsicher ist, dessen genauen Status zu identifizieren. Deshalb wählt er danach lieber anstelle (des für ihn negativ klingenden) "Deutschen" die Bezeichnungen "der Alte" oder "der Bauer". zu erreichen. Das Haus von dem da, auf der anderen Flussseite… (auf dieser Flussseite verläuft die Eisenbahn) erreicht man über ’ne Brücke. Auf der anderen Flussseite gibt’s eine Ebene, bei der man nicht das Ende sieht. Alle dreihundert, alle vierhundert Meter steht ein Haus, ein Bauernhaus, wo diese Bauern wohnen.19 In einem anderen Gespräch, das am 6. Sept. 2005 mit Urbano Cipriani geführt wurde, behauptet Natalino, dass es sich um die Stadt Bremen an der Donau handelt. Durch die große Industriestadt Bremen im Nordwesten Deutschlands fließt jedoch nicht die Donau. Hat der Zeuge sich also vertan? Allerdings gibt es im Südwesten des Landes, nahe an der deutschen Schweiz, die Gemeinde Hohentengen mit dem Ortsteil Bremen an einem Zufluss der Donau. Diese Ortschaft bildet einen strategisch vermutlich wichtigen Eisenbahnknoten in Baden-Würtemberg, nicht weit von Steinkohlevorkommen, und das Landschaftsbild scheint dem beschriebenen zu entsprechen.

Wir kommen da an, man bringt uns auf die Felder. Und wie es Tag geworden war, gerade mal ’ne Viertelstunde – das Pferd war gerade eingespannt – kommt die Frau mit ’nem riesigen Suppentopf, der so aussah (spreizt Zeigefinger und Daumen), mit gekochten Bohnen, gesottenen Bohnen. Natürlich war kein Öl drin, aber wenn du wüsstest, wie lecker die waren! Wirklich lecker!

Dann zu Mittag, bringt sie uns noch mal zu essen. Ich sag dir: Bohnen und Kartoffeln hatten die! Nun, die ersten Tage hat es kein Fleisch gegeben: Kaninchen, die hatten Hühner und Gänse, riesige Dinger, so dick, schwarz, mit ’nem langen Hals… Also, kurzum, man kommt da an, jeder ein Ackergerät in der Hand: einem hat man das Pferd mit den beiden Deichseln gegeben, mit einem Pflug mit zwei Deichseln hat er dieses Land bearbeitet, mir hat man eine große Hacke gegeben, die so aussah (er breitet die Hände aus), mit der Achse in der Mitte am Griff und zwei Stützen: auf jeden Fall arbeitet man nicht gut damit, wir sind halt nicht daran gewöhnt.

Aber ich hab mich angestrengt, auch in gebückter Haltung, um damit richtig umzugehen… wie auch immer, ich hab getan was ich konnte. Einem hat der Mann so ’was wie ’ne Schippe gegeben, einem anderen so ’was wie ’ne Heugabel, und dieser Mann beobachtete, beobachtete uns genau.

Am Tag danach… der, der mit dem Pflug gearbeitet hatte – wenn du mit dem Pflug nicht richtig den Boden bearbeitest, bleibt der ganz hart – der, der mit dem Pflug gearbeitet hatte, konnte nicht damit umgehen. Halb beackert, halb hart wurde das ganze: eine Pfuscherei! Und ich hab mir diesen Mann ’rangeholt… – am ersten Tag hab ich damit angefangen – hab auf seine Schultern geklopft, hier so (schlägt einige Male mit der offenen linken Hand auf eine der Schultern und dann auf die andere), hab ihm bedeutet: «Ich, ich (zeigt erst mit den Zeigefingern auf sich und bewegt dieselben dann parallel von unten nach oben) – ich hab zu ihm gesagt – ich zieh die Furchen gerade!»

Es ihm erklären, war nicht drin, so hab ich’s ihm zeigen müssen, so (fährt fort, die Zeigefinger parallel von unten nach oben zu bewegen). Nichts zu machen: Ich die Hacke und der das Ding.

Am Tag danach, gegen zehn, halb elf, geht das Ding am Pferd kaputt, der Bauchriemen, dieser Gurt, der so funktioniert (bewegt die Hände am eigenen Gürtel entlang). Dieser Mann, ich sehe, wie verzweifelt er ist! Und da ich ja da war, gehe ich auf ihn zu… (bewegt die Hand mit offener Handinnenfläche), beruhige ihn: «Ruhig Blut! Ruhig Blut!» Ich bin in den Stall gegangen. Hab einen Sack… einen Jutesack gefunden, bin mit diesem Sack wieder zurück gekommen und hab die Dinger da zusammengeflickt und sie mit diesem Jutesack umwickelt, vier, fünf Mal. Und dem Kerl habe ich zu verstehen gegeben: «Du…(deutet mit dem Zeigefinger auf seinen Fragesteller) find mir…» (bewegt die Hände in zwei entgegengesetzte Richtungen und es sieht so aus, als ob sie einen Faden, eine lose Schnur festziehen)

Immerhin, er hat mich verstanden! Er hat mir… mir einen Faden gebracht, keinen einfachen, glatten, sozusagen am Stück, sondern einen ganz dünn verflochtenen, verstehst du? Aber lang. Ich hab diesen Faden genommen, bin da zur Stalltür gegangen, wo das Holz aufgestapelt war, nahe der Türschwelle, die mit schönen großen Nägeln befestigt war, ungefähr so lang (berührt mit dem linken Zeigefinger die Mitte des Handrückens der rechten Hand), und ganz langsam hab ich einen herausgezogen. Dann habe ich einen Stein genommen, bin da hingegangen: hab angefangen, mit diesem Ding ein Loch zu machen, den Faden durchgezogen, und dann hier, und dann hier, und dann hier, bis zu so ’nem Stück, und dann auch von hier (imitiert diese einfallsreiche Tätigkeit und Fingerfertigkeit auf der breiten, flachen Armlehne des Sessels). Ich verrichte also diese Arbeit. Wie er mir bei der Arbeit zusah, ist er kurz weggegangen, um mir einen anderen langen Faden zu bringen. Dann hat er mir so ’n Ding, so ’was wie einen Pfriem gebracht. Der brachte es aber nicht besonders. Immerhin ging es etwas schneller als vorher. Ich hab ihn vollständig zusammengenäht, ganz dicht, ganz dicht, Faden über Faden, ganz dicht, ein Stück so lang wie dies (zeigt auf die gesamte Armlehne des Sessels).

Und dann spannt man das Pferd wieder ein. Als das Pferd wieder eingespannt war, anstatt… – auch da habe ich zu ihm gesagt, auf seine Schultern geklopft (klopft mit der Hand auf die Armlehne des Sessels, dann zeigt er mit den Zeigefingern auf sich selbst und mit denselben geradeaus) – anstatt das Pferd dem zu geben, der es hatte, hat man mir das Pferd gegeben und dem die Hacke, die ich hatte. Das passierte am zweiten Tag. Ja, und obwohl es nicht mehr ganz früh war, als ich anfing zu arbeiten, machte ich… ich hatte drei, vier Furchen gezogen, aber die sind einen Kilometer lang, verstehst du? Will' was heißen, Furchen zu ziehen die einen ganzen Kilometer lang sind. Und der Alte war immer da, um den anderen Anweisungen zu geben. Nun ja. Aber ich hab gesehen, wie er von weitem geguckt hat: «Und! Und! Und!» Zum Teufel, wirklich ärgerlich. Verstehen, was kann man schon verstehen, nach zwei Tagen, die man da war: Ich kapierte nichts. Dann gingen wir zum Haus, wir gingen nach Hause… Wenn ich zum Beispiel zurück zum Haus kam… – der andere, wenn der abends am Haus ankam, das Pferd war ganz verschwitzt, schäumte, ordnete der Alte an, es ’reinzustellen. Er stellte es also ’rein, machte es da fest, und die Sache war erledigt! – auch wenn ich am Abend am Haus ankam, ordnete er an, es ’reinzustellen (aber ich sagte ihm): «Nein (die Hand mit offener Handinnenfläche hebend), warte!»

Ich hab’s festgemacht… es gab da eine Schelle in der Nähe der Tür, da hab ich’s festgemacht, an der Schelle, bin dann gegangen und hab den Rest Jutesack geholt, der übrig geblieben war, der mir vom Wickeln übrig geblieben war, hab mich dann seitlich platziert und hab’s abgerieben, gänzlich. Er sieht mich glücklich an. Und dann… und danach (ahmt mit der Hand die Geste des Bauern nach, der ihn anweist, das Pferd reinzustellen , und dem er seinerseits ein Zeichen gibt zu warten): «Nein, warte!»

Ich bin in den Stall gegangen, hab die Heugabel genommen, das Streulager wieder sauber gemacht, einen Eimer Wasser gegriffen und vor dem Pferd abgesetzt. Dann hab ich da einen Sack gesehen, ging hin, schaute in die Runde und da stand der Hafer. Ich fand auch ein Schüsselchen das ich mit Hafer füllte und ihm zu fressen hinstellte. Und während ich den Stall machte, hab ich das Streulager wieder sauber gemacht. Hinten ist das Stroh mit dem Mist drin, aber vorne gibt’s das saubere Stroh. Aus diesem sauberen Stroh hab ich… ich hab’s genommen, geflochten und daraus ein Geflecht gemacht, etwa so lang (deutet auf ungefähr die Hälfte seines Arms), auch länger. Und dann hier (deutet auf die Armmitte) wieder mit dem Jutefaden hab ich’s festgemacht, damit es nicht auseinanderfällt. Und in der ganzen Zeit, wo ich diese Arbeiten machte, war das Pferd da draußen. Dann ging ich zu ihm und mit diesem Ding hab ich’s abgerieben, seitlich vom Pferd stehend und während ich dies alles machte, hatte mich der alte Herr fortwährend beobachtet. Danach hab ich’s reingebracht und er ist gekommen, um uns zurückzubringen.

Am Morgen danach, als er zurückgekommen ist, hat er nicht fünf, sondern nur drei mitgenommen. Von allen, das hab ich genau gesehen, hat er mich zuerst gesucht. Als wir wieder beim Hof waren, wo ich arbeiten ging, wollte ich mit dem Pferd da weitermachen, wo ich am Vortag aufgehört hatte. «Nein, nein!» meinte er, nahm das Pferd und führte es dahin, wo das Feld anfing, wo der andere gearbeitet hatte, alles bearbeitet hatte…

URBANO CIPRIANI – Um alles noch einmal zu machen!

Ich hab da also nochmals angefangen, eine Furche nach der anderen: was das für ’ne saubere Arbeit geworden ist… Hut ab! Der Mann war froh wie Oskar! Zu essen, immer das gleiche. An dem Tag waren wir nicht zu fünft, sondern zu dritt. Zu essen, immer das gleiche. Und am Abend, wie üblich, bringt er uns nach drüben. Und am Morgen kommt er zurück, uns einsammeln, zwei diesmal: mich und ’nen anderen. Keinen der anderen hat er mehr genommen. Und nach sechs, sieben Tagen… hat er mich ausgewählt, und Schluss. Und er schwafelte, schwafelte mit mir, hab aber nichts verstanden… was sollte ich schon verstehen!

Also an einem Abend, wie er mich nach drüben zurückgebracht hat, hat er wieder angefangen zu reden, mich nicht einfach dagelassen, um wieder zu gehen. Er hatte wieder mit den Deutschen geredet, denn da war Endstation, dort wurden alle zusammengeführt, alle in einem großen Schuppen. Er schickte sich wieder an, mit den Deutschen zu sprechen. Während er das tut, ist einer der Deutschen weggegangen. Wie er, nach fünf Minuten – der Soldat am Bahnhofskommando war ein Bahnhofsangestellter, der italienisch konnte – nach fünf Minuten, wie ich ihn mit dem Italiener wiederkommen sehe, war ich zuversichtlich, hab mir gesagt: hier gibt’s bestimmt ’was Neues für mich.

Der kommt zu mir und sagt: «Hören Sie mal! Dieser Herr sagt, dass Sie tüchtig sind, das Land zu bearbeiten und das Pferd zu versorgen. Sie sind tüchtig! Wenn Sie bei ihm bleiben wollen, stellt er ihnen ein Feldbett in den Flur, der von den Wohnräumen zum Stall mit den Pferden geht, und Sie bleiben da mit ihm. Also, geben Sie mir Ihre Erkennungsmarke…» Du (an Urbano gewandt) bist nie Soldat gewesen, aber wir Soldaten, hier hinten (zeigt und deutet mit der Hand auf einen Punkt im Umschlag des Jackenkragens), wir haben eine Erkennungsmarke, die so ’was wie ein Personalausweis ist «...und in ein paar Tagen kommt dieser Mann, sie wieder abholen: Das ist wie ein Personalausweis, Sie können in der Stadt herumlaufen, nehmen Sie nur immer dieses Dokument mit, dann wird niemand Sie belästigen, niemand was von Ihnen wollen.» Ja, denk dir nur!

Als er mich zu sich zurückgebracht hatte, stellte er mir dieses Feldbett in den Flur. Ein Feldbett, das man einfach aufmachte. Aber es war November, auf den 15. November ging es zu, und kalt war’s da oben. Unter mich hat er zwei, drei Decken gelegt, und dann weitere zwei oder drei Decken oben… Kurz und gut, ich habe drei oder vier Tage, drei oder vier Nächte da geschlafen.

Nach dem Abend – weil ich guttenacche20 "Guttenacche"/Gute Nacht: Natale Agostinis Deutschkenntnisse sind sehr ungenau und seine Aussprache ist deutlich von seiner toskanischen Mundart beeinflusst. Zum Beispiel hängt er oft einen Vokal an einsilbige betonte oder an endbetonte Wörter, die auf Konsonant enden: Nacht > "Nacche". gelernt hatte, das heißt «Gute Nacht» – nach dem Essen sagte ich guttenacche und ging…

«Ne! Ne! Ne! Ne!» Er hat mich gepackt… er hatte die Angewohnheit, mich hier am Ärmel der Jacke zurückzuhalten. Und dann hat er mich ins Zimmer seiner Kinder geführt. Ich bin dageblieben… im Bett! Es ging mir so gut!

Damals hatte der Mann ein bisschen Husten, er war 75, er hatte eine leichte Bronchitis, auch ein bisschen Asthma. Und er kam, kam tagtäglich… Ein paar Tage waren vergangen, seit ich angefangen hatte: arbaitte, schlafen, snacche, kurz, ja… am Abend hab ich zu ihm gesagt: «Nae! Nae! Di moga nappe: nics sveg arbaitte.» «Du stehst morgen früh nicht auf, du (den Kopf leicht in Richtung offene Handinnenfläche neigend): snappe, àite neffe stunde, um acht… um neun, kommst du (führt die zu einer Gruppe vereinigten Finger zum Mund), mir das Essen zu bringen.» Also, «isch arbaitte, isch arbaitte!» Ich, ich bin morgens früh aufgestanden, verstehst du Urbano?

URBANO CIPRIANI – Klar!

Wie ich ihm das sagte, hat mir die Frau – die Frau war 70 – hat mir die Frau ein Ei gegeben: «Moga nappe fif sekse stunde.» Du – hat sie gesagt – um fünf, um sechs (die zu einer Gruppe vereinigten Finger der Hand zum Mund führend), wenn du aufstehst, trinkst du das.

Und später, nicht mal besonders viel später… um Weihnachten, du ich kann dir versichern, es waren vielleicht 50 Tage die man zusammen war: ja, da verstand man sich bereits! Aber nach drei oder vier Monaten, hab ich sie gut verstanden und die mich auch. Ich bin bis zum 20., 24., 25. Juni geblieben, d. h. bis Juni ’44.

So, was passierte jetzt? Also, dieser Mann hatte einen Bruder – jünger als er, etwa zehn, zwölf Jahre jünger als er – der am Bahnhof in einem Büro arbeitete, verstehst du, er war nicht… Aber er kam mindestens einmal pro Woche, manchmal auch zweimal pro Woche, seinen Bruder besuchen. Weil… Geld hatte er, sie verdienten, den Lohn gab man ihnen, aber zu essen… glaub mir, es sah schlecht aus. Auch in Deutschland hatten sie nichts zu essen. Wenn er wegging – er wird wohl gekommen sein, das steht außer Frage, weil es sein Bruder war – aber jedes Mal, wenn er wegging, haben se ihm zwei, drei Paar Eier mitgegeben, ein halbes Kaninchen, ein halbes… Wir hatten immer zu essen, mir ist es immer gut gegangen, hab immer gut gegessen, denn: die Kaninchen, die Hühner, die hatten schöne Gänse, saftig. Eine Gans sechs bis acht Kilo schwer, wenn eine Gans getötet wurde, ging’s einem mehrere Tage gut, auch wenn man…

Der Mann war’n Freund geworden. Er war einer, der redete gern, ich auch! Er fragte mich über Italien, wie man da so lebte, kurz, diese Art von Unterhaltung… wir konnten natürlich nur über Alltäglichkeiten reden! Wir waren mittlerweile Freunde geworden.

Und in den letzten Junitagen, am 24., 25. Juni… am 24., 25. Mai, nicht Juni. Hatte mich vertan.

URBANO CIPRIANI – Das Jahr?

1944. Ich bin da geblieben… von Anfang November bin ich da geblieben: (zählt mit den Fingern) November, Dezember, Januar, Februar, März, April, Mai. Sieben Monate. Mai… Januar, Februar, März, April und Mai, fünf 1944 und zwei 1943. Er sagt zu mir: «Natalino, weißt du, wenn du ein bisschen Mut hättest, gäb’s eine Möglichkeit, nach Italien zu kommen!»

«Aber ich – ich hab zu ihm gesagt – um nach Italien zu wollen, Angiolo,21 Toskanische Variante des italienischen Namens Angelo. Der Erzähler "toskanisiert" also den deutschen Vornamen seines Freundes Engel. da bin ich nicht der einzige, da gibt’s noch weitere hundert, die zurück möchten.»

Er sagt zu mir: «Hör mal, es soll ein Zug nach Florenz abfahren, ein Militärtransport mit offenen Waggons mit Steinkohle – sagt er – ich bin derjenige, der schauen muss, ob alles in Ordnung ist, die Bremsen, ob die Batterien ok sind, und zwar einen Tag, bevor er abfährt. Wenn du willst… Ich nehme sowieso immer die Schippe mit, wenn ich da hingehe, damit grab ich dir ein Loch, in einem… da unten, weit genug weg vom Bahnhof. Ich grab dir ein Loch, wenn… er fährt sowieso gegen elf, um Mitternacht. Erst komm ich dich holen, du kriechst ins Loch, dann mach ich die Öffnung wieder zu… Und so wurde es gemacht. Er ist mich holen gekommen, ich kroch in mein Versteck und er hat mich wieder zugedeckt. Die Steinkohle besteht aus Stücken, verstehst du, ist nicht so, dass…

URBANO CIPRIANI – Ja, ja.

Das Atmen… Nur… in einem Tunnel zwischen Bologna und Florenz hatte ich mich schon tot geglaubt, weil es nicht ein elektrischer Zug, sondern eine Dampflok war. Ich musste in dem kleinen Raum atmen, immer, aber schließlich hab ich’s geschafft, weil ich zwanzig war, ’nen Monat mehr oder weniger, etwas älter als zwanzig, einundzwanzig, ja… ich hatte nicht gehungert, hatte gegessen, war stark, darum.

Rückkehr nach Florenz und Kriegsschauplatz im Casentino 22 Anfang Juni 1944. In Wirklichkeit findet die Flucht nicht Ende Mai / Anfang Juni, sondern frühestens Ende Juni statt. Im Übrigen behauptet Natalino im bereits zitierten Gespräch mit Urbano vom 6. September 2005, dass er acht Monate (und nicht sieben) in Deutschland geblieben ist, ein späterer Aufbruch würde diese Information bestätigen. Als er Anfang Juli am Bahnhof von Florenz, Santa Maria Novella, ankommt, findet er die Stadt immer noch von den Deutschen besetzt vor (Arezzo, 80 km weiter südlich, gelangt erst am 16. Juli in die Hände der Alliierten). Die Kriegsfront wird demnach gerade im Casentinotal immer aktiver, wo die Alliierten, das Tal am Arno entlang hoch wandernd, bereits über Subbiano hinaus auf das Gebiet zwischen Rassina und Bibbiena vorgestoßen sind: Aus diesem Grund haben die Deutschen ihre Feldküche bereits am 10. August von Rassina nach Monte in die Nähe des Klosters Mausolea verlegt. Die Heimat des Erzählers, sein Geburtsort Avena, wird von deutschen Polizeitruppen evakuiert, da sich der Ort zu nahe an der Gotenlinie befindet. Diese Evakuierung findet unmittelbar nach derjenigen von Banzena, vom fünften August, statt. Die Goteninie bestand aus einer Reihe von der Wehrmachts-Bautruppe Todt errichteten Abwehrstellungen auf dem 320 Kilometer langen Appenin-Kamm von Massa-Carrara bis Pesaro, also von der Versilia-Küste bis in die Marken. Diese von Hitler und dem Generalfeldmarschall Albert Kesselring geplante Verteidigungslinie sollte die Wehrmacht koste es, was es wolle auf dem Appenin an der Grenze der Toskana und der Emilia Romagna halten. Ihr Ziel war es, nach der Einnahme des Monte Cassino und der nach und nach erfolgten und am 4. Juni 1944 abgeschlossenen Befreiung Roms den Vorstoss der alliierten Truppen nach Norditalien zu verhindern.

Trotz allem hatte ich es also geschafft. Und als ich’s dann letztendlich geschafft hatte, in Florenz bin ich über die Mauer da gesprungen, in der Via Luigi Alamanni. Und da gab es eine, die Marcella hieß, eine Emilianerin, die ich kannte, weil als ich noch bis Anfang 1939 Milchmann war, Milchmann war ich, hab ich die bedient. Ich ging also und klopfte an ihre Tür, hab ihr gesagt, dass ich ganz schwarz bin, weil ich in einem Kohlewagen hergekommen bin. Da hat sie mir aufgemacht. Ich habe gebadet, dann hat sie mir ein paar Hosen von ihrem Mann gegeben, kurze Hosen, ein Hemd wie dieses (berührt sein Hemd). Ja… ich hab einen Bus der SITA genommen, mit dem bin ich heim.

Als ich hier angekommen bin, hab ich niemanden von meiner Familie vorgefunden. Weil man die alle abgeholt hatte, man hatte sie in die Musolea23 "Mausolea" ist eigentlich der richtige Name dieses Landguts, das dem Benediktinerorden von Camaldoli gehört und zwischen Partina und Soci liegt, aber viele Bewohner des Casentinotals, auch Don Antonio Buffadini in seinem Kriegstagebuch, vereinfachen den Doppellaut "au" zu "u". Hier ist anzumerken, dass der Erzähler mit einem beträchtlichen Zeitsprung einen Monat Zwangsarbeit bei der Gotenlinie als Arbeiter bei der Wehrmachtsorganisation Todt auslässt, ebenso wie die Flucht von der Bergfront nach Avena, als die Evakuierungen und Zwangdeportationen der Bevölkerung, unter der sich seine Familie befindet, verkündet werden. gebracht, ich hatte natürlich nicht die geringste Ahnung, wo man sie hingebracht hatte. In die Musolea, ja. Also bin ich in die Musolea gegangen. Weil die am achten, neunten, gerade vor ein paar Tagen, dorthin gebracht wurden… waren sie noch in der Musolea. Aber ich… durchgelassen haben sie mich, haben sie mich, weil ich gesagt habe: «Ich hab meinen Papa und meine Mama hier!» Aber als ich wieder zurück wollte, haben sie mich nicht durchgelassen! Also musste ich abermals einen neuen Fluchtweg ersinnen und hatte zuvor die Meinigen davon in Kenntnis gesetzt und ihnen gesagt, dass ich keineswegs nach Deutschland zurück wollte. Ihr, euch wird man von hier wegbringen… Tatsächlich hat man sie nach Santa Sofia und dann nach Reggio Emilia gebracht. Jedoch sind sie im Dezember zurückgekommen, also waren sie von Anfang Juni bis Dezember immer woanders, um sie vor dem Kriegsgeschehen zu schützen. Ich aber bin durch die Abflussrohre des Werks abgehauen, in der Musolea gab’s das Elektrizitätswerk. Ja… ein Rohr, Umfang 80, da floss wenig Wasser durch. Ich hab mich da unten mitten auf den Feldern wiedergefunden. Durch diese Felder verlief die Front. Ich bin durch den Arno. Vom Arno an, drüben, waren die Engländer.

ZWEITER TEIL

Menschliche Solidarität und Überlebenskampf

(aufgezeichnete Bilder, einige Sekunden lang, ohne Stimme)… wieder Gefangenschaft.

URBANO CIPRIANI – Ja!

Ja, ich denke, dass ich Glück hatte, und ich bin bereit und habe immer den Willen gehabt, jedem illegalen Einwanderer zu helfen, weil ich selbst erlebt hab, wie es ist… in Jugoslawien, dem Gesetz und den Sitten nach, die die hatten, unter habgierigen Halunken zu leben: Ich hab einen gefunden, dem ich mein Leben zu verdanken habe. Weil er musste mich umbringen, er hat mich aber nicht umgebracht und mir geholfen, als er mir beratend zur Seite stand und bestätigte, dass der Weg, den ich einschlagen wollte, der richtige war. Er hat mir gesagt: «Flüchte heute abend, da morgen… wenn du nach zehn hier vorbei kommst, bin ich nicht mehr da, dann ist ein anderer hier, der dich, wenn er dich nachts sieht, sicher tötet.» Und deshalb denke ich, dass es wichtig ist, jedem zu helfen. Dann bin ich…

URBANO CIPRIANI – Übrigens, entschuldige, ja?

Ja, bitte.

URBANO CIPRIANI – Was das Helfen angeht: Du warst und bist immer noch Blutspender!

Ah! Ich hab… ich hab in sechs Jahren Militär sechzehn Mal Blut gespendet! Und später immer weitergemacht: Erst haben sie mir die Bronzemedaille gegeben, dann die Silbermedaille, dann die Goldmedaille, aber auch danach hab ich noch lange weitergemacht! Das letzte Mal, als ich gespendet habe, irrtümlicherweise, die haben mich irrtümlicherweise hingeschickt, weil die mein Alter nicht berücksichtigt hatten, ich war bereits 66, hab aber gesagt: «Nein, nein, nehmt nur, ich fühle mich gut, ich kann es euch immer noch geben.» Und ich habe 1961, am 2. September, in einem äußersten Notfall Blut gespendet, im Krankenhaus von Poppi, für die Frau meines Bruders, deine Verwandte: die Ilva.

URBANO CIPRIANI – Die Ilva

… bei den Greppi, sie hatte eine Blutung. Am 28. desselben Monats, sie war immer noch im Krankenhaus von Poppi, hat sie noch ‘ne Blutung bekommen. Sie haben mich gerufen. Sofort bin ich hingefahren, weil sonst… Ich kann allen mein Blut geben. Bin sofort hingefahren, ich, und da war wieder Doktor Fiorini, der, der mir am zweiten das Blut abgenommen hatte… «Nee, nee –hat er gesagt– nicht schon wieder du!» «Doch, doch, mir geht es gut.» «Reichen sie mir Ihren Arm.» Eine Direktübertragung (deutet auf die Armbeuge)… bis sie wieder die Augen geöffnet hat, hab ich weiter Blut gegeben. Dies… aber ich hab’s mit Liebe getan (legt die offene Hand aufs Herz), für alle! Nicht nur für meine Schwägerin. Ich war auch öfter in Florenz, um zu spenden… Kurzum, sie haben mich nach Florenz gebracht, um Blut zu spenden, nach Siena gebracht, um Blut zu spenden. Ich hab es allen gern und freiwillig gegeben, auf vielerlei Art.

Um noch mal auf meinen Tatendrang und meine Bereitschaft zu helfen, zurückzukommen: innerhalb meiner Möglichkeiten bin ich immer bereit gewesen, allen zu helfen, denn wenn man mir nicht geholfen hätte, wäre ich bestimmt nicht lebend zurückgekehrt!

In Deutschland bin ich etwas länger als sieben Monate geblieben, aber ich war da wie mit einem Papa und einer Mama!! Denn die beiden Alten, die kümmerten sich so liebevoll um mich, als wenn ich ihr eigener Sohn wäre!! Und auch andere Leute, die ich getroffen habe, auf diesen Feldern, auf denen man gemeinsam gearbeitet hat, hatten mich gern. Jeder Besitzer besaß einen Streifen von 300 Metern am Fluss entlang und einen Kilometer lang. Zwischen einem und dem anderen Besitzer verlief ein großer Feldweg (drückt seine Zigarette im Aschenbecher aus), den jeder für die Bewirtschaftung der Felder nutzen konnte.

Was hat sich sonst also noch ereignet, während wir unserer Tagesarbeit nachgingen: Man traf sich da mit denen von oben und denen von unten. Ich hab das Pferd gut gestriegelt, ja… dann hab ich’s gut abgerieben: morgens hat es dann während der ersten zwei Stunden, auch ’n bisschen länger, nicht mehr geschwitzt. Die anderen dagegen, die vielen Frauen jeden Alters, die harte Männerarbeit verrichten mussten – weil damals, zu diesem Zeitpunkt, gab’s in Deutschland keine Männer im Alter von 17 bis 65; wo man auch suchte, gab’s sie nicht: alle waren sie Soldaten – sie haben gesehen, dass ihre Pferde sofort wieder schwitzten. Sie kamen damit nicht gut zurecht und holten sich Rat bei diesem Mann. Sie fragten, wieso seine nicht sofort schwitzten. Also hat er ihnen von dieser Behandlung erzählt, die ich dem Pferd angedeihen ließ.

Kurzum, eines Tages, am Abend, so wie ich mein Pferd reingestellt hatte, sagt der Mann mir, ich solle zu denen da gehen… zu denen da unten – von einem Haus zum nächsten waren es dreihundert Meter – um auch für die das Pferd zu säubern, um ihnen zu zeigen, wie. Es handelte sich um eine Frau, nicht um einen Mann. Ja, ich war einverstanden und er erklärte mir, sagt: «Siehst du das Haus da, da unten!» Die wartete schon auf mich, wartete da draußen. Wie ich losgegangen bin, da runter… du lieber Himmel! Nach 50 Metern sind zwei Hunde auf mich los… weil diese Bauernhöfe hatten Schäferhunde, manche hatten nur einen, manche zwei… Dieser Mann, von meinem sprech ich, hatte sich bereits ins Haus zurückgezogen. Ich bin schnell wieder zum Haus oben zurückgelaufen, sage: «Nee, nee, nee!! Ich nicht, ich nicht: Auhm! Auhm!» Ich machte ihm klar, dass da die Hunde waren. Also ist er mitgekommen, hat mich beim Arm genommen und denen da unten zugerufen. Und dann ist die von da unten gekommen. Er ließ mich los und sie nahm mich beim Arm. Man ist in den Stall gegangen, ich machte alles… für das Pferd hab ich das gleiche gemacht, was ich für mein Pferd auch gemacht hab. Und sie sprach mit mir, freudig, das sah ich, verstand aber nichts, nun denn! Ein bisschen bin ich geblieben, dann hab ich versucht, ihr zu erklären…

Ich hab zu ihr gesagt: «Du, ähm, ähm (deutet auf den Fragesteller und reißt den Mund auf), ich nichts (deutet auf sich selbst und berührt mit den Zeigefingern die eigenen Ohren)! Ich, ähm, ähm (zeigt auf sich selbst und reißt den Mund auf), du nichts (deutet auf den Fragesteller und berührt die Ohren mit den Zeigefingern)! Dem Pferd (etwas mit dem Finger zeigend), dem Pferd» – hab ihr beigebracht – siehste, ich hab ihr das so vorgemacht (ahmt nach, wie er über den Rücken des Pferdes streicht). Kurz, hab ihr gezeigt, wie ich ihn sauber gemacht hatte. Ich sag: «Zu den Damen mach ich so...» Ich näherte mich ihr… (nähert sich der Kamera und streichelt seine Wangen mit beiden Händen) «mach ich so…» Daraufhin warf sie sich in meine Arme. Ich dachte, sie wollte mich verschlingen!!

Wie’s geendet hat, ist klar, Das, was passiert ist, versteht ihr… versteht ihr von selbst. Und nach ein paar Tagen, nach Weihnachten, drei oder vier Tage nach Weihnachten, ist sie eines Abends gekommen, um mir zu sagen, dass sie mir was zeigen wollte… Kurz, sie wollte mich zu sich holen. Nun denn, bin natürlich mitgegangen, die anderen sagten mir, ich solle nur mitgehen… bin mitgegangen. Nach der Flussbrücke, links, 20 Meter weiter unten, gab’s ein kleines Anwesen. Um es kurz zu machen, da waren Nonnen mit Jugendlichen von 10, 12, 15 Jahren, die ’ne Art Komödie spielten, ’ne Art Schauspiel, nun ja. Aber bevor wir da ankommen, hat sie mich – sie hat so gemacht – (legt die zwei Zeigefinger nebeneinander) hat sie mich zu einer Schwester von sich mitgenommen, da manchmal auch ihre Schwester mitgekommen ist. Und mit dieser Schwester ist man da mitgegangen, nun ja, man hat sich angefreundet…

Nach etwa 15 oder 18 Tagen, kurz, gegen Mitte Januar, sagt sie wieder zu mir, dass wir nochmal… wieder hingehen sollen, um noch so ’ne Veranstaltung anzugucken. Sie sagt aber zu mir: «Nics aite stunde, secs stunde.» Man ist nicht um acht hin, sondern schon um sechs, weil «ische – so sagte sie – ische… eh… Papie.» Weil sie die Maße für ein Kleid nehmen musste, kurz, ich verstand, sie hat’s mir gut zu verstehen gegeben. Und man ist dann auch wirklich gegangen. Sie hat mir gesagt, dass sie mich zu ihrer Schwester bringen würde, sie selbst würde inzwischen ihr Kleid abholen und dann hierher zurückkommen. Und in der Tat hat sie mich zur Schwester gebracht, sagt, dass sie dieses Kleid holen geht, und dass ich hier warten soll, dass sie gegen acht zurückkommt. «Ja», sag ich. Wie sie weggegangen ist, hat mir die Schwester zu verstehen gegeben, dass sie allein im Haus ist: «Aine. Ich allein.» Sie hatte ebenfalls einen Hof: «Aine.» Sie bringt mich in ihr Zimmer: «Aine.» Kurzum… es ist passiert, was bei ihrer Schwester passiert ist. Ich Hund (steht auf und lacht) bin acht Monate da geblieben. Mir hat’s an nichts gefehlt!!!

URBANO CIPRIANI – Hahaha!

Also, das ist das, was ich… finde, das man erzählen kann.

Dann zurück in Italien… von Italien nach Ortignano…

URBANO CIPRIANI – Warte mal was hast du noch mal erzählt, als du da oben, in den Bergen zwischen Sarajewo und Zagreb, vor Hunger beinahe gestorben wärst?

Ja.

URBANO CIPRIANI – Die Knochen, die sie in den Graben schmissen.

Ach, ja, die hab ich gegessen!

URBANO CIPRIANI – Nämlich wie denn?

Ja, siehste, hab gut daran getan. Wenn sie diese Knochen von den Schafen wegwarfen, und sie warfen sie den Hang hinunter – so wie sie die wegwarfen, ja, wo sie noch ’n bisschen warm waren – aber nur für kurze Zeit, weißt du, da oben lag Schnee und es war kalt. Nach einer Viertelstunde ging ich runter auf diesen Hang und nahm zwei Steine: einen ziemlich robusten flachen Stein und noch einen kleineren. Ich legte die Knochen auf diesen Stein, und mit dem anderen hab ich sie zerstückelt und das Knochenmark rausgesaugt, verstehst du? Dieses Mark ist nicht gerade lecker, verstehst du, aber voller Nährwert.

URBANO CIPRIANI – So ist es!

Als ich aus Jugoslawien weggegangen bin… außer diesen Beeren, diesen zwei Beerenarten, und diesem Mark – zu essen gab man uns nichts mehr, nichts, absolut nichts!

URBANO CIPRIANI – Ja ja, nein, nein, das war also die Sache mit dem Knochenmark

Ich wollte dir noch erzählen, ich… ich bin nachts mit Sicherheit meine 15 Kilometer gelaufen, quer durch’s Gebüsch und von 1800 bin ich schließlich ganze 1500, 1600 Meter runter, auf 200, 150 Meter… wollte damit nur sagen, dass ich nicht etwa schwach war, weil…

URBANO CIPRIANI – Ja doch, weil Knochenmark halt Knochenmark ist

Ich war bei Kräften, mir ging’s gut.

URBANO CIPRIANI – Kommen wir also wieder auf die Musolea, auf das Rohr, durch das du fliehen konntest, zurück

Flucht aus dem Evakuierungslager und Überquerung der deutschen Frontlinie

Nun, in der Musolea, da konnte man wirklich von Glück reden. Ich konnte keinesfalls da bleiben, verstehst du. Außerdem kannte ich den Ort. Ich wusste, dass es das Werk gab, spielte ein bisschen den Vermittler für den Gutsverwalter, den Vannini. Schau, das hatte er mir gezeigt: «Guck mal, hier ist das Wasserwerk. Das Wasser kommt von da oben, dann in dieses Rohr…» Aber das Rohr… war ganz schön groß, 80, 90 im Durchschnitt, ein großes Rohr, das Wasser floss da durch, so: Wenn das Rohr ungefähr bis hier war (im Sitzen hebt er die Hand zur Brust), ist das Wasser in dieser Höhe so da durchgeflossen (deutet auf etwa Kniehöhe). Also, ich das Rohr entlang…

URBANO CIPRIANI – Bist du ganz durch? Wie lang war es?

Wird wohl… 50, auch 60 Meter lang gewesen sein.

URBANO CIPRIANI – Und wo endete es, in einem Graben?

Mitten im Feld, da unten, ja. Ja doch.

URBANO CIPRIANI – Und von da? Mitten im Feld angekommen, wie ging s da weiter

Und von da hab ich den Arno überquert… den Arno überquert…

URBANO CIPRIANI – Juni 44 ist das?

Ja, ja. Ich hab den Arno überquert, es geht so auf den fünfzehnten zu, denn ich glaube, dass ich ungefähr am zehnten, elften von drüben zurückgekehrt bin. Meine Familienangehörigen…

URBANO CIPRIANI – Juni oder Juli?

Juni, Juni. Avena – nicht nur meine Familie…

URBANO CIPRIANI – Ja doch: Ich war da!

… den ganzen Ort Avena hatten sie zwei Tage vorher evakuiert.24 Abgesehen davon, dass es nicht im Juni, sondern im August war, ist die vom Erzähler dargestellte Abfolge der Ereignisse höchst plausibel. Die Bewohner von Avena wurden nach dem 5. August zwangsevakuiert und zu Fuß (über das Tal der Sova, Ragginopoli und Soci) in die Mausolea gebracht. Bereits am 10. August war die Front am Arno entlang in die Gegend zwischen Rassina und Bibbiena vorgerückt.

URBANO CIPRIANI – Ja doch: Ich habe Avena vollkommen leer geräumt gesehen.

Also, ich, um es kurz zu machen, als ich da hingegangen bin, wusste ich, dass sie da waren. Gerade da angekommen, sag ich: «Ich bin hier… denn als ich nach Hause kam, hab ich meine Familie nicht angetroffen. Ich weiß, dass sie hier drinnen sind.» Kurzum, sie ließen mich ohne weiteres rein. Als ich jedoch drin war, hab ich zu meiner Familie gesagt: «Ich kann hier nicht bleiben, weil… ihr….»

URBANO CIPRIANI – Ja, sicher!

Und durch diese Rohre hab ich mich dann davon gemacht.

Gefangener der Alliierten und Verfasser von «Gedichten» mündlicher Tradition

Als ich die Front überquerte, über den Arno, traf ich auf einen englischen Spähtrupp. Diese Engländer haben mich nach Subbiano gebracht, denn in Subbiano gab es eine größere Kommandostelle. Also, als wir dorthin unterwegs waren, haben sie wohl angenommen… hätten sie den Verdacht hegen können, dass ich ein deutscher Spion bin, verstehst du!

URBANO CIPRIANI – Ja, sicher!

Der Befehlshaber war am Morgen nicht da. Man nahm mich in Gewahrsam… Sobald man in Subbiano ankommt, lag, so wie es damals war, links ein Straßenwärterhaus – damals, wird’s wohl immer noch geben – sie haben mich da hingebracht und in einen Raum eingesperrt, einen großen Raum. Und es gab… es kam ein Dolmetscher, der zu mir sagte: «Heute Abend, wenn der Befehlshaber zurückkommt, wird er Sie ausfragen.»

Also… Stell dir nur vor! Was sollte ich machen!! Ich saß da, tat nichts, hatte einen Stift in der Tasche. Es gab auch ein paar Blätter da. Ich hab mich hingesetzt und angefangen… Als ich jung war, schrieb ich gerne Gedichte, verstehst du… als… Nun denn, ich hab mich da hingesetzt und ein Gedicht geschrieben, da, in diesem… Ich blieb den ganzen Tag da. Ich kann mich noch erinnern.

Oh, meine liebe und geliebte Familie,

heute noch sende ich euch meine Gedanken.

Ohne Grund halten sie mich hier gefangen,

aber meine Zuversicht ist noch lange nicht vergangen.

Ihr kennt doch meine Idee,

sie lautet wie eh und jeh.

Auf die Alliierten hab ich gewartet mit Händeringen,

um abrechnen zu können mit vielen Dingen.

Als diese näher kamen, diese Briten,

stolz und stark hab ich die Front überschritten

So, jetzt muss ich ’nen Schritt zurückgehen: Sowohl hier als auch in der Musolea, wo ich mit Landsleuten zusammen, war, wusste ich, dass in Montanino scharf geschossen wurde, dass man auf Poppi schoss. Dort hat es denn auch Tote gegeben, in Poppi, verstehst du?

URBANO CIPRIANI – Ja, ja

Also:

Auf die Alliierten hab ich gewartet mit Händeringen,

um abrechnen zu können mit diesen Dingen

Jetzt hab ich mich selbst unterbrochen…

Meine liebe und geliebte Familie,

heute noch sind bei euch meine Gedanken.

Ohne Grund halten sie mich hier gefangen,

aber meine Zuversicht ist noch lange nicht vergangen.

Ihr kennt doch meine Idee

Sie lautet wie eh und je.

Auf die Alliierten habe ich gewartet mit Händeringen,

um abrechnen zu können mit vielen Dingen.

Als diese näher geraten,

hab ich die Front überschritten, stolz und stark,

um mit der Ehre des braven Soldaten,

zu berichten, was sich hinter den Deutschen verbarg.

Ich wurde schnell nach Salutio gesandt,

dann nach Subbiano, zu einem großen Kommandant,

die Fragen da die hörten nie auf,

um die Deutschen zu erledigen zuhauf.

Ein Geschütz ist am Sasso alla Lippa 25 Am Sasso alla Lippa de Montanino sowie in Cerreta bei Camaldoli standen die Geschütze der Gotenlinie, die das Casentinotal und insbesondere Poppi beschossen.

,ein anderes steht in Cerreta.

Eine gute Neuigkeit, seid gespannt,

denn morgen werden sie verbrannt.

So wird Poppi von heute an

Frieden haben und Ruhe ausstrahlen,

befreit von diesem Schurken-Clan,

der alles wollte zermahlen.

So wird die ganze Welt ganz langsam,

zurück zum Frieden finden, gleichsam.

Jedes Herz wird freudig hüpfen,

um sich mit einem anderen in Liebe zu verknüpfen.

Ich denke immer an euch alle, meine Lieben,

an Mutti und den lieben Brunino bin ich hängen geblieben,

– Bruno war 3 –

der, denk nur, in all den Jahren,

von mir nicht einmal ein Küsschen hat erfahren.

Als ich… ja, schon viele Male hab ich gedichtet! Auch ein anderes Mal, als ich mich retten konnte, von zehn Flugzeugen kamen sieben zurück, aber immerhin… Am Tag danach hatte ich Dienst, zwei Tage danach wurde ich wieder für einen Einsatz am selben Ort gerufen und bin nicht hingegangen. Ich bin nicht hingegangen, hab mich krank gemeldet.

«Warum?»

«Weil mir der Kopf wehtut –habe ich dem Offizier gesagt– bin ein Überlebender der Croce Bianca,26 Der Rettungsdienst Weißes Kreuz. von zehn Maschinen sind sieben zurückgekommen… Dienstag abend! Freitag soll ich wieder hin? Ich geh da nicht hin zurück!»

Er sagte zu mir: «Nimm ’ne Literflasche… trink ein Glas Öl!»

Ich hab ihm geantwortet: «Nach Gaeta27 Militärgefängnis. Beim Öl handelt es sich um Rizinusöl, das vom faschistischen Regime als Abführmittel und Strafmaßnahme eingesetzt wurde. können sie mich zwar schicken, aber das Öl krieg ich nicht runter, sogar meine Mutter hat es nicht fertig gebracht, mich das Öl einnehmen zu lassen. Ich werd' das Öl nicht trinken. Wenn sie mir einen Tag Ruhe verordnen, handeln sie nach Ihrem Gewissen. Wenn nicht, dann eben nicht, steht Ihnen selbstverständlich frei, mich nach Gaeta zu schicken!»

Da hat er gesagt: «Geh ins Bett!»

Ich bin ins Bett gegangen, aber ich musste einen Tag lang da liegen, ohne mich zu bewegen. Auch da hab ich angefangen… an meine Freundinnen, meine Schwestern, meine Kusinen, an alle habe ich in Gedichtform geschrieben.

Etwa so:

Heute bin ich beurlaubt und hab nichts zu tun,

bin kerngesund, das sollt ihr wissen,

gesund und munter, doch die Zeit wird nicht ruh n,

alle seid ihr, so hoffe ich, wohlauf und keinen möchte ich missen.

Und ich glaube, dass ihr alle immer an mich denkt,

auch ihr seid bei mir alle Tage,

mit Freunden bade ich im Meer und die Zeit wird verschenkt,

und es vergehen Wochen und Monate, wie schade.

Wochen und Monate unwiederbringlich vergeh n,

weder Monate noch Jahre bleiben besteh n.

Und das ist das Leben der Jugend von heute,

wir sind alle ahnungslos jemandes Beute.

Das war jetzt noch eines! Aber dann…

URBANO CIPRIANI – Ja, ja, das war einmal.

Das war…

In der amerikanischen Luftwaffe: die fliegenden Festungen 28 Juli 1944 – Mai 1946. Die Einberufung zur amerikanischen Luftwaffe ist auf frühestens (Mitte) August 1944 anzusetzen.

Also, am Abend, als der Befehlshaber angekommen war, der mich ausgefragt hatte, hab ich ihm erzählt, was ich gemacht hatte, wo ich überall gewesen war usw. Er sagte: «Nun gut, morgen früh erhalten Sie… werde ich Ihnen ein Schreiben geben, das Sie überbringen…» Am nächsten Morgen, offensichtlich hatte er angerufen und alles mögliche in Bewegung gesetzt, sagte er: «Ich kann nichts anderes für Sie tun, als Ihnen ein Schreiben für das Luftfahrtministerium auszuhändigen …» Das Ministerium der Luftfahrt befand sich in Orvieto, nicht in Rom. Er stellte mir die Papiere für das Luftfahrtministerium aus, wo ich andere getroffen habe, die wie ich umherirrten. Und zwei Tage später ist ein italienischer Hauptmann mit zwei amerikanischen Offizieren zu uns gekommen, um zu fragen, wer von uns als Freiwilliger zur amerikanischen Luftwaffe wollte, für das gleiche Gehalt, das ihre Soldaten bekamen: Spezialisten sind das, die von der Fliegerabteilung.

Ich sag dir!… bin sofort los. Von da ging’s nach Pescara. In Pescara hab ich Alberto Rabagliati29 Alberto Rabagliati war ein bekannter Sänger aus Italien, der in den USA Karriere gemacht hat. Er hatte kurz davor im Dorf Lierna bei Poppi Zuflucht gesucht. getroffen. Alberto Rabagliati war in der 82. «fliegenden Festung», die damals in Pescara war. Dann, nach ungefähr zehn Tagen, ging’s von Pescara nach Je… Osimo, Osimo Bahnhof. Dann, als die Amerikaner…

URBANO CIPRIANI – In den Marken!

Ja… die Truppen sind in Rimini gelandet. Also haben sich die Deutschen von da zurückgezogen. Wir sind… wir sind in die Provinz von Görz versetzt worden. Warte, lass mich mal eben überlegen… Grado!! Nach Grado! Grado in der Provinz Görz.

URBANO CIPRIANI – Grado.

Und da bin ich geblieben – nicht nur einen Tag etwa, bin 16 Monate30 Anhand der nachfolgenden Erzählung kann man eher von 22 Monaten ausgehen, vom August 1944 bis Mai 1946. Zur Erinnerung: die Alliierten haben Rimini am 21. September 1944 befreit. da geblieben, mit der amerikanischen Luftwaffe, nun – bin da geblieben, bis ich einen Entlassungssantrag gestellt habe, weil unsere Laufbahn sechs Jahre umfasste, wir uns für sechs Jahre verpflichtet hatten, verstehst du?»

URBANO CIPRIANI – Aber was hast du in diesen 16 Monaten bei der amerikanischen Luftwaffe alles gemacht, wo du doch unten am Boden warst?

Nach zwei Wochen, wir waren tagtäglich im Einsatz (steht auf), um Bomben auf Deutschland abzuwerfen, wie die es gemacht hatten.

URBANO CIPRIANI – Ah!

Du musst wissen, dass nach zwei Wochen …

URBANO CIPRIANI – Du hast ebenfalls am Dienst selbst teilgenommen.

Ja, aber mir hat man… Weißt du, dass…

URBANO CIPRIANI – Ein Glück, dass die deutsche Flugabwehr mittlerweile fast ganz

Gar nichts kam da!! Die wirkliche Gefahr war die: Wusstest du, dass da im Juli 1944, dass da manchmal auch 30 000 fliegende Festungen am Himmel waren? Die gegnerische Flugabwehr war praktisch ausgeschaltet. Die einzige Gefahr war die... weißt du, die Luft ist... die Welt ist so groß, aber ab und zu ist einer... es genügte, dass man sich berührte…

URBANO CIPRIANI – Nämlich

… dass man sich mit den Spitzen berührte…

URBANO CIPRIANI – Untereinander!

… mit den Spitzen von so ’nem Ding, haha, einmal berührt, war’s schwer, sich zu retten, verstehst du?

URBANO CIPRIANI – Ja, ja.

Weil, dann, ja…

URBANO CIPRIANI – Weil ihr meist gestaffelt geflogen seid?!

… der Rumpf, die Flügel, im Rumpf steckte der ganze Treibstoff, verstehst du? … vor allem wenn man startete. Aber ich sag dir, dass niemand die Bomben zählen kann, die auf Deutschland gefallen sind. Und so habe ich dann… Ende Mai 1946 hab ich meinen Entlassungsantrag eingereicht.

Wechsel zur italienischen Luftwaffe 31 Juni 1946.

Ich hab also meinen Entlassungsantrag eingereicht, und von der amerikanischen Luftwaffe haben sie mich zur italienischen Luftwaffe geschickt, zur italienischen Luftwaffe in Padua, in der Provinz von Padua. Nicht genau in Padua, ich war in Villa Oste,32 Genauer: Villa Osti, eine Wetterstation der italienischen Luftwaffe. ein bisschen weiter. Aber ich bin nur kurz da geblieben, so ungefähr ’nen Monat, anderthalb Monate. Dann hat man uns, d. h. diejenigen die ihren Entlassungsantrag bereits eingereicht hatten, zur Pilotenschule nach Galatina, unterhalb von Lecce, geschickt. Da unten hab ich den Oberst Teucci wieder getroffen! Den Oberst Teucci, ja!

URBANO CIPRIANI – Aus Poppi?

Ja, aus Poppi. Ach Gott, bin gleich hin, ihn zu besuchen. Wir waren dann immer zusammen! Ich war in der ersten Staffel, er in der vierten, verstehst du, aber das war ihm egal. Wenn er z. B. telefonierte… Galatina ist 23, 24 km von Lecce und etwa 35 von Gallipoli entfernt. Gallipoli befindet sich in der Gegend von Taranto. Wenn freier Ausgang war, sind die Offiziere jeden Abend losgezogen, die Unteroffiziere nur selten – weil, ich war außer Dienst… als Unteroffizier außer Dienst in den Ersatztruppen… erster Flieger außer Dienst und im Dienst. Und er, die sind jeden Abend losgezogen und haben mich jeden Abend mitgenommen, war ganz selbstverständlich, dass auch ich mitkam.

Und auch da… auch da, sieh mal, das ist nicht so, dass… die Dinge auf der Welt laufen so: Man muss ’n bisschen Mut haben und ’n bisschen dreist sein. Denn eigentlich war es mir verwehrt, mit den Offizieren auszugehen, er war damals Oberst, wohlgemerkt!

URBANO CIPRIANI – Ja, ja.

Nun, die Geschichte mit dem Oberst aus Poppi war so: Vom Hörensagen erfuhr ich… von einem Offizier meiner Staffel kommt mir zu Ohren, dass die vierte Staffel von einem Oberst aus Poppi befehligt wird.

«Aus Poppi? – fragte ich – wie war doch gleich der Name… aus Poppi?»

Tags darauf sagte er: «Teucci.»

«Ah! – hab ich zu ihm gesagt – ich kenne seinen Bruder gut.» Es war tatsächlich wahr, dass ich seinen Bruder gut kannte, verstehst du, weil der Bruder, der mit seiner Mutter in Poppi lebte, mit zur Jagd kam, zusammen mit Gigino Matini. Gigino Matini war ein Gutsverwalter, der kam immer auf meine Felder, damals kam er immer zur Jagd auf meine Felder33 Natale Agostini war zu dieser Zeit Halbpächter der Familie Brami aus Bibbiena. … Eines Morgens beim Frühstück haben sie zusammen mit uns Polenta gegessen. Und ob ich ihn gut kannte. Beim Frühstück fasste ich dann sogleich den Entschluss, Teucci unbedingt kennenzulernen. Ich mach mich also auf, ihn zu besuchen… Einen Oberst der vierten Staffel, du bist aus der ersten Staffel, das geht nicht, verstehst du? Man muss es über Umwege anstellen… ich denk an eine Lösung… weiß aber nicht richtig wie. Dann gehe ich wieder zurück. Aber vorher hab ich mir ’was ausgedacht: «Ja, ich weiß, dass ich nicht mit ihm sprechen kann, dass ich nicht… aber Sie, tun Sie mir einen Gefallen – sag ich zu diesem Wächter – ihm etwas auszurichten, dem Oberst.»

«Was soll ich ihm sagen?»

«Ich muss ihm sagen… Sie müssen ihm sagen, dass es da einen gewissen Agostini aus Poppi gibt, der auf Urlaub war… der in seinem Haus war, weil er mit seinem Bruder und seiner Mutter befreundet ist. Und da er ihm, als er mit ihnen sprach, gesagt hat, dass er beim Militär in Lecce, kurz, an der Pilotenschule ist, hat seine Mutter zu ihm gesagt: «Sieh mal einer an! Ich hab mein Söhnchen da unten, auch mein Söhnchen ist dort! – und weiter sagt sie – mir kommt da eine Idee… wann fahren Sie zurück?» Ich sag: «Morgen früh, ich fahr morgen früh zurück.» Sie sagt: «Wenn ich das früher gewusst hätte, hätte ich ihm ein paar Strümpfe, die für ihn passend sind, gekauft, schade...» «Nun – sage ich – morgen früh fahr ich.» Also, wenn Sie ihm ausrichten könnten… ob er mit dem Bekannten aus Poppi sprechen will, der in seinem Haus bei seinem Bruder und bei seiner Mutter war.»

Also, du musst wissen, wie ich da hin und es ihm gesagt habe… (steht auf)

«Ja, wenn du was brauchst, komm nur!»

Ich bin hingegangen… hab ihm keine Märchen erzählt (setzt sich wieder), hab ihm die Wahrheit erzählt, dass sein Bruder zur Jagd zu uns kam, mit noch zwei anderen. Die vier Monate, die ich da geblieben bin, war ich kein erster Flieger mehr...

URBANO CIPRIANI – Ja, ja, gewiss!

... ich war ein Offizier!

URBANO CIPRIANI – Ein Offizier!

Immer auf Vergnügungsfahrt, immer mit ihm unterwegs! Jeden Abend freier Ausgang, so war’s! So ist’s gelaufen.

Rückkehr ins Zivil- und Bauernleben 34 Ende Januar 1947. Das einzige diesbezügliche Dokument in unserem Besitz (Katalog der Königlichen Luftwaffe, Nr. 130, Matrikelverzeichnis) bestätigt, dass Agostini Natale, Matrikelnr. 320164 am 10. 12. 1946 von der 30 Monate währenden Wehrdienstzeit befreit und auf unbegrenzte Zeit beurlaubt wurde. Von einer zweiten Handschrift wurde ebenfalls mit Tinte, allerdings undatiert hinzugefügt, dass er, einmal vom Dienst freigestellt, in die Staatsklasse übergeht. Wie auch immer, in seiner Erinnerung fällt für Natale Agostini der Beginn des neuen Lebensabschnitts mit dem Monatsende des neuen Jahres zusammen. Die anderen Auskünfte des Katalogs über die Matrikeländerungen des Fliegers Natale Agostini sind zu unserem größten Bedauern leider weitaus weniger zuverlässig als das Gedächtnis des Zeugen selbst. In einer dritten Handschrift steht, dass er am 8. September 1942 als freiwilliger Flieger "in der Funktion eines auszubildenden Elektrikers" eingestellt und am selben Tag "bis zum Ausbildungsbeginn unbesoldet freigestellt" wurde. Dann steht in derselben Handschrift, dass er am 23. Oktober 1942 "von der oben aufgeführten Beurlaubung zurückbeordert" und "nach Ascoli Piceno geschickt wird, um dort die Ausbildung als Elektriker zu absolvieren " und weiter, in derselben Handschrift, dass er am selben Tag auch "für den Dienst in Gebieten, die zu Kriegs- und Einsatzgebieten deklariert sind, bereitgestellt" wird.

Von da bin ich dann nach Hause zurückgekehrt.

Ich bin beurlaubt heimgekehrt, weil, zu Hause war mein armes Väterchen krank. Wer sollte sonst für ihn einkaufen?! Ich bekam… sieh mal, als ich beurlaubt wurde, 1947 war das, weißt du, wieviel ich damals bekam, wieviel im Monat? Wegen Schadenersatz für besondere… gab man mir siebenunddreißig-, achtunddreißigtausend im Monat!

URBANO CIPRIANI – War das viel?

Du machst Witze, ob das viel war. Und ob das viel war!

URBANO CIPRIANI – Aber du musstest darauf verzichten, weil

Jetzt hör mal, ich musste: ich kam zu Hause an, und damals hab ich dafür gesorgt, dass meine Brüder, die jüngsten, beide studieren konnten, sowohl Bruno als auch die Chiara …

URBANO CIPRIANI – Du bist der Älteste.

Von meinen eigenen Kindern will ich nicht mal erzählen, Antonio… Gra… eh, Roberto hat Buchhaltung gemacht und das war’s, aber wenn er zur Universität gewollt hätte, hätte auch er können, verstehst du? Es ist nicht so, dass… Sieh mal, einer ist Bankdirektor, ich weiß nicht seit wievielen Jahren, er ist angesehen… eine meiner Töchter unterrichtet an der Universität in Frankreich, kurz… ist nicht so, dass sie bei der dritten Klasse stehengeblieben sind wie ich! Genug davon! (steht auf).

URBANO CIPRIANI – Ja, aber, ich will noch mal darauf zurückkommen und bei den Amerikanern, nämlich als du die Entlassung, hat sie dir was eingebracht?

Ob sie mir was eingebracht hat?! (setzt sich wieder)

URBANO CIPRIANI – Die Abfindung.

Brachte mir ganz schön was ein. Nein, nicht die Abfindung! Sie haben uns gesagt, dass wir das gleiche Gehalt wie ihre Soldaten bekommen, aber für die Zeit, die wir im Dienst waren…

URBANO CIPRIANI – Die Amerikaner?

Die Amerikaner. Sie gaben uns Flugzulage, die Gehaltserhöhung… nach zwei Jahren… – die ersten zwei Jahre, dann gibt’s ’ne Erhöhung, dann nach…– sie gaben uns alles, so wie es auch bei der italienischen Luftwaffe üblich war. Nach ein paar Monaten, die ich zu Hause war – ich bin in den letzten Januartagen zurückgekehrt…

URBANO CIPRIANI – 19 ?

1947, im März, hat man mich vom Kommando in Rom rufen lassen und mir einhundertfünfzigtausend Lire ausgezahlt: eine Ausgleichszahlung für meinen Dienst bei der Luftwaffe, d. h. der Unterschied zwischen italienischer und amerikanischer Besoldung, hast du verstanden? Ich hatte beinahe Angst, sie einzustecken!

URBANO CIPRIANI – Was kaufte man sich mit hundert ?

Ja, da kaufte man einiges…

Mit dreiundsechzigtausend Lire habe ich zum Beispiel die Aussteuer für meine Bruna und meine Rina gekauft, die beide 1947 geheiratet hatten, mit dreiundsechzigtausend. Sie hatten nichts, aber auch gar nichts. Wir gingen also nach Bibbiena… wohlgemerkt, keine ganze Aussteuer, ein kleines Aussteuerchen: nicht so elegant, aber bequem, das was nötig war… ausreichend! Fast übertrieben… nun hör zu, wie’s weiterging…

Und dann? Und dann hab ich angefangen, mit den anderen zu verdienen, mit den anderen! Nur… du kennst ja den Spruch: «An Arbeit muss man gewöhnt sein.» Ja, man muss Lust haben zu arbeiten!! Weißt du, dass ich 1947 mit Getreidemähen fünfundsechzigtausend Lire verdient habe! Erst hab ich mein Heu geerntet, hör zu, dann, nach dem Heu, bin ich am 2., 3. Juni mit weiteren drei Leuten nach Pian di Ripoli35 Pian di Ripoli liegt am linken Arnoufer am südöstlichen Stadtrand von Florenz. gefahren. In Pian di Ripoli haben wir etwa zehn Tage gemäht. Dann war da ein Bauer, der nach Pian di Ripoli gezogen war, allerdings stammte der aus Montiloro, aus der Gegend da oben von Le Sieci,36 Ort südöstlich von Florenz am rechten Arnoufer. der musste sein Gut da oben abernten, bei Montiloro. Die anderen wollten nicht mehr da bleiben. Kurz, ich und ’n anderer von uns vieren, von uns vieren sind zwei nach Hause gegangen, ich und einer von denen sind nach Montiloro gefahren, um da weitere zehn, zwölf, auch dreizehn Tage zu mähen. Kurzum, einmal zurück, hat man das Geld aufgeteilt, mit diesen… – wir haben wohl ungefähr ganze fünfundzwanzig Tage gemäht.

URBANO CIPRIANI – Gemäht, wie denn?

Um das Heu zu ernten, das Getreide (bewegt die rechte Hand horizontal, als ob er eine Sense in der Hand hätte).

URBANO CIPRIANI – Mit der Hand?

Ja doch, mit der Hand!!

URBANO CIPRIANI – Mit der Handsense?

Ja, das war wie Fronarbeit!! Wir haben bis elf gearbeitet, manchmal auch bis Mitternacht. Und danach wurden die Garben gebunden, im Dunkeln, und am Morgen, wenn man aufstand, um zwei, halb drei, haben die über den Stuhl gelegten Hosen noch gebaumelt! Aber man hat pro Mann fünfundsechzigtausend verdient!!

Also, mit diesen fünfundsechzigtausend, fast zusätzliche hundert waren mir ja noch verblieben, bin ich heimgekehrt und hab mir beim Crèmoli aus Corsignano ein paar Schweine, zwölf Schweine gekauft. Die waren alles andere als billig. Prächtige Schweine! Aber die kosteten was, verstehst du? Ich erinnere mich, dass ich innerhalb von ’n paar Monaten… ich kaufte sie für fünfundsechzigtausend, Ottavio wollte mehr, aber zuletzt hab ich zu ihm gesagt: «Ich bin nach Pian di Ripoli und dann nach Montiloro gegangen, um zu mähen, hab ungefähr 30 Tage lang gemäht, und ich hab fünfundsechzigtausend dafür gekriegt, nach Hause gebracht, mehr hab ich nicht, mehr kann ich nicht zahlen.» Da hat er gesagt: «Warte… vor ein paar Tagen haben sie mir gleich viel geboten, aber du gefällst mir, bist ’n braver Junge: Ich geb sie dir. Innerhalb von ’n paar Monaten war das angelegte Kapital auf hunderttausend angewachsen, ich kassierte rund hunderttausend, weil die Schweine inzwischen größer geworden waren… so weit, so gut!

Von diesem Zeitpunkt an habe ich immer Handel getrieben. Ich bin zwar von Grund auf Bauer, habe aber immer eigenständig Handel betrieben: mit hundert, z. B Saatgut… und aberhundert Sachen hab ich gehandelt.

Ja, hier stehen wir nun in unserem Leben!

URBANO CIPRIANI – Hier und heute! Heute ist der

Zehnte!

URBANO CIPRIANI – Montag, der 10. Oktober 2005. Um viertel nach zwölf ist die Kassette zu Ende, aber wir noch nicht. Wie dem auch sei, für jetzt ist erst mal Schluss.

(steht vom Sessel auf) Ach Gott!

(an Urbano gewandt) Wir haben ganz schön lange geplaudert!

  • 1. Die toskanische Begleitversion zum Video findet sich auf der Website im Bereich Audioaufzeichnungen von Zeitzeugenberichten. Die Transkription versucht die phonisch-rhythmischen, lexikalischen und syntaktischen Aspekte der vom Erzähler gesprochenen Sprache möglichst originalgetreu wiederzugeben.
  • 2. Anfang Februar 1941. Im Laufe des Interviews nennt der Zeitzeuge wiederholt den 8. Februar als den Tag, an dem er zur Luftwaffe einberufen wurde und mit dem Besuch der Militärschule begann.
  • 3. Die Zwischenbemerkungen des Interviewers Urbano Cipriani werden ab sofort kursiv vom restlichen Text abgehoben.
  • 4. Natalino ist eine Koseform des Vornamen Natale.
  • 5. Bei diesem Test fällt man ohne Vorwarnung durch eine Falltür in einen Raum darunter. Dabei soll man nicht das Gleichgewicht verlieren, sondern gleich Befehle ausführen können.
  • 6. Natale hat als Kind also nur die drei ersten von fünf Grundschulklassen besucht. Er hat später ohne weiteren Schulbesuch in eigenständiger Vorbereitung das Abschlusszeugnis der Grundschule (die Licenza elementare) abgelegt.
  • 7. Nach der Grundschule folgte in Italien entweder das Gymnasium oder eine dreijährige Mittelschule.
  • 8. 8. Februar 1941 – 8. September 1943.
  • 9. Abwertende Bezeichnung für einen Bauern. "Zollone" kommt von "zolla", wörtlich "Erdscholle".
  • 10. Das Ereignis ist wohl auf Ende Juni oder Anfang Juli 1943 zu datieren. Die Landung der Alliierten in Sizilien fand am 10. Juli statt.
  • 11. 8. September 1943. Nach der Landung der Alliierten in Kalabrien unterzeichnet die Regierung unter Marschall Pietro Badoglio am 3. September den Waffenstillstand von Cassibile zwischen der italienischen Armee und den Alliierten. Der Abschluss des Waffenstillstands wird den Italienern am 8. September im Rundfunk verkündet, während die Alliierten in Salerno bei Neapel landen und sich die Regierung, Pietro Badoglio und der König nach Brindisi absetzen und unter den Schutz der Amerikaner und Briten stellen. Der Waffenstillstand trifft die italienischen Streitkräfte völlig unvorbereitet.
  • 12. 8. September – Anfang November 1943.
  • 13. Die kommunistischen Tito-Partisanen.
  • 14. Laut einem im Internet konsultierten Mondkalender fällt Allerheiligen 1943 auf einen Montag mit leicht zunehmenden Mond. Das erste Viertel wird am Freitag, den 5. November erreicht. Die Flucht hat daher wahrscheinlich am 2. oder 3. November stattgefunden.
  • 15. Mitte November 1943 bis Anfang Juni 1944. Natale Agostini bekräftigt mehrmals, Anfang November oder spätestens Mitte November in Deutschland angekommen zu sein. Alessandro Tuzza hat für uns freundlicherweise mehrere Nachforschungen über die Deportationen Zivil- und Kriegsgefangener vom Triester Bahnhof angestellt, nach denen diese Abtransporte wohl eher gegen Monatsende stattgefunden haben. Vielleicht kann uns die WASt in Berlin, bei der wir angefragt haben, nähere Auskünfte über den genauen Zeitpunkt der Ankunft Natale Agostinis in Deutschland und vor allem über die Kleinstadt, in die er deportiert wurde, erteilen, wenn es ihr gelingt, in ihren Archiven zum Zweiten Weltkrieg seine in Deutschland ausgestellte Aufenthaltserlaubnis als Zwangsarbeiter ausfindig zu machen. Seine Flucht und seine Rückkehr nach Italien müssen aus im Folgenden erläuterten Gründen auf frühestens Ende Juni 1944 datiert werden.
  • 16. Der Zeitzeuge verwechselt hier "Israeliten"mit "Israelis".
  • 17. Der Erzähler verwendet den Ausdruck "die Deutschen" nie um die Zivilbevölkerung, sonder immer nur, um die Angehörigen der deutschen Truppen zu bezeichnen.
  • 18. Der Erzähler wiederholt zweimal "das Haus von dem da", auf italienisch "questo coso", wörtlich "von diesem Dingsda". Damit drückt der Erzähler allerdings keine Geringschätzung gegenüber dem alten Landbesitzer aus, sondern vielmehr, dass er unsicher ist, dessen genauen Status zu identifizieren. Deshalb wählt er danach lieber anstelle (des für ihn negativ klingenden) "Deutschen" die Bezeichnungen "der Alte" oder "der Bauer".
  • 19. In einem anderen Gespräch, das am 6. Sept. 2005 mit Urbano Cipriani geführt wurde, behauptet Natalino, dass es sich um die Stadt Bremen an der Donau handelt. Durch die große Industriestadt Bremen im Nordwesten Deutschlands fließt jedoch nicht die Donau. Hat der Zeuge sich also vertan? Allerdings gibt es im Südwesten des Landes, nahe an der deutschen Schweiz, die Gemeinde Hohentengen mit dem Ortsteil Bremen an einem Zufluss der Donau. Diese Ortschaft bildet einen strategisch vermutlich wichtigen Eisenbahnknoten in Baden-Würtemberg, nicht weit von Steinkohlevorkommen, und das Landschaftsbild scheint dem beschriebenen zu entsprechen.
  • 20. "Guttenacche"/Gute Nacht: Natale Agostinis Deutschkenntnisse sind sehr ungenau und seine Aussprache ist deutlich von seiner toskanischen Mundart beeinflusst. Zum Beispiel hängt er oft einen Vokal an einsilbige betonte oder an endbetonte Wörter, die auf Konsonant enden: Nacht > "Nacche".
  • 21. Toskanische Variante des italienischen Namens Angelo. Der Erzähler "toskanisiert" also den deutschen Vornamen seines Freundes Engel.
  • 22. Anfang Juni 1944. In Wirklichkeit findet die Flucht nicht Ende Mai / Anfang Juni, sondern frühestens Ende Juni statt. Im Übrigen behauptet Natalino im bereits zitierten Gespräch mit Urbano vom 6. September 2005, dass er acht Monate (und nicht sieben) in Deutschland geblieben ist, ein späterer Aufbruch würde diese Information bestätigen. Als er Anfang Juli am Bahnhof von Florenz, Santa Maria Novella, ankommt, findet er die Stadt immer noch von den Deutschen besetzt vor (Arezzo, 80 km weiter südlich, gelangt erst am 16. Juli in die Hände der Alliierten). Die Kriegsfront wird demnach gerade im Casentinotal immer aktiver, wo die Alliierten, das Tal am Arno entlang hoch wandernd, bereits über Subbiano hinaus auf das Gebiet zwischen Rassina und Bibbiena vorgestoßen sind: Aus diesem Grund haben die Deutschen ihre Feldküche bereits am 10. August von Rassina nach Monte in die Nähe des Klosters Mausolea verlegt. Die Heimat des Erzählers, sein Geburtsort Avena, wird von deutschen Polizeitruppen evakuiert, da sich der Ort zu nahe an der Gotenlinie befindet. Diese Evakuierung findet unmittelbar nach derjenigen von Banzena, vom fünften August, statt. Die Goteninie bestand aus einer Reihe von der Wehrmachts-Bautruppe Todt errichteten Abwehrstellungen auf dem 320 Kilometer langen Appenin-Kamm von Massa-Carrara bis Pesaro, also von der Versilia-Küste bis in die Marken. Diese von Hitler und dem Generalfeldmarschall Albert Kesselring geplante Verteidigungslinie sollte die Wehrmacht koste es, was es wolle auf dem Appenin an der Grenze der Toskana und der Emilia Romagna halten. Ihr Ziel war es, nach der Einnahme des Monte Cassino und der nach und nach erfolgten und am 4. Juni 1944 abgeschlossenen Befreiung Roms den Vorstoss der alliierten Truppen nach Norditalien zu verhindern.
  • 23. "Mausolea" ist eigentlich der richtige Name dieses Landguts, das dem Benediktinerorden von Camaldoli gehört und zwischen Partina und Soci liegt, aber viele Bewohner des Casentinotals, auch Don Antonio Buffadini in seinem Kriegstagebuch, vereinfachen den Doppellaut "au" zu "u". Hier ist anzumerken, dass der Erzähler mit einem beträchtlichen Zeitsprung einen Monat Zwangsarbeit bei der Gotenlinie als Arbeiter bei der Wehrmachtsorganisation Todt auslässt, ebenso wie die Flucht von der Bergfront nach Avena, als die Evakuierungen und Zwangdeportationen der Bevölkerung, unter der sich seine Familie befindet, verkündet werden.
  • 24. Abgesehen davon, dass es nicht im Juni, sondern im August war, ist die vom Erzähler dargestellte Abfolge der Ereignisse höchst plausibel. Die Bewohner von Avena wurden nach dem 5. August zwangsevakuiert und zu Fuß (über das Tal der Sova, Ragginopoli und Soci) in die Mausolea gebracht. Bereits am 10. August war die Front am Arno entlang in die Gegend zwischen Rassina und Bibbiena vorgerückt.
  • 25. Am Sasso alla Lippa de Montanino sowie in Cerreta bei Camaldoli standen die Geschütze der Gotenlinie, die das Casentinotal und insbesondere Poppi beschossen.
  • 26. Der Rettungsdienst Weißes Kreuz.
  • 27. Militärgefängnis. Beim Öl handelt es sich um Rizinusöl, das vom faschistischen Regime als Abführmittel und Strafmaßnahme eingesetzt wurde.
  • 28. Juli 1944 – Mai 1946. Die Einberufung zur amerikanischen Luftwaffe ist auf frühestens (Mitte) August 1944 anzusetzen.
  • 29. Alberto Rabagliati war ein bekannter Sänger aus Italien, der in den USA Karriere gemacht hat. Er hatte kurz davor im Dorf Lierna bei Poppi Zuflucht gesucht.
  • 30. Anhand der nachfolgenden Erzählung kann man eher von 22 Monaten ausgehen, vom August 1944 bis Mai 1946. Zur Erinnerung: die Alliierten haben Rimini am 21. September 1944 befreit.
  • 31. Juni 1946.
  • 32. Genauer: Villa Osti, eine Wetterstation der italienischen Luftwaffe.
  • 33. Natale Agostini war zu dieser Zeit Halbpächter der Familie Brami aus Bibbiena.
  • 34. Ende Januar 1947. Das einzige diesbezügliche Dokument in unserem Besitz (Katalog der Königlichen Luftwaffe, Nr. 130, Matrikelverzeichnis) bestätigt, dass Agostini Natale, Matrikelnr. 320164 am 10. 12. 1946 von der 30 Monate währenden Wehrdienstzeit befreit und auf unbegrenzte Zeit beurlaubt wurde. Von einer zweiten Handschrift wurde ebenfalls mit Tinte, allerdings undatiert hinzugefügt, dass er, einmal vom Dienst freigestellt, in die Staatsklasse übergeht. Wie auch immer, in seiner Erinnerung fällt für Natale Agostini der Beginn des neuen Lebensabschnitts mit dem Monatsende des neuen Jahres zusammen. Die anderen Auskünfte des Katalogs über die Matrikeländerungen des Fliegers Natale Agostini sind zu unserem größten Bedauern leider weitaus weniger zuverlässig als das Gedächtnis des Zeugen selbst. In einer dritten Handschrift steht, dass er am 8. September 1942 als freiwilliger Flieger "in der Funktion eines auszubildenden Elektrikers" eingestellt und am selben Tag "bis zum Ausbildungsbeginn unbesoldet freigestellt" wurde. Dann steht in derselben Handschrift, dass er am 23. Oktober 1942 "von der oben aufgeführten Beurlaubung zurückbeordert" und "nach Ascoli Piceno geschickt wird, um dort die Ausbildung als Elektriker zu absolvieren " und weiter, in derselben Handschrift, dass er am selben Tag auch "für den Dienst in Gebieten, die zu Kriegs- und Einsatzgebieten deklariert sind, bereitgestellt" wird.
  • 35. Pian di Ripoli liegt am linken Arnoufer am südöstlichen Stadtrand von Florenz.
  • 36. Ort südöstlich von Florenz am rechten Arnoufer.
Katalognummer:
  • Numéro: MR001
  • Lieu: Centro documentazione guerra e resistenza Biblioteca Rilli-Vettori, Poppi, Arezzo
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